Erfolgsfaktor Sanierung: So sieht es aus, wenn ein Plan funktioniert
Der Schlüssel zum Übernahmeerfolg der Fleischer-Dienst Braunschweig GmbH durch die GILDE Mitte eG? Timing, Fokus und ein guter Plan. Der 16. Teil unserer Serie „Erfolgsfaktor Sanierung“.
Inhaltsverzeichnis
Eine Herausforderung, die in Insolvenzverfahren immer wieder auftritt
Es ist eine Herausforderung, die in Insolvenzverfahren immer wieder auftritt: Ein Investor muss her, denn sonst ist eine Rettung des zahlungsunfähigen Unternehmens nicht zu erreichen. Aber es soll auch der Richtige sein: ein Investor, der zum Unternehmen passt, der die Vision versteht und Zukunftsfähigkeit sicherstellen kann – am besten direkt. Hohe Anforderungen, die alles andere als ein Selbstläufer sind. Umso schöner ist es dann, wenn es so umfassend gelingt wie im Verfahren der Fleischer-Dienst Braunschweig GmbH. Denn mit der GILDE Mitte eG hat sie nicht nur einen Investor gefunden, der die Zukunft sichert, sondern einen echten Partner auf Augenhöhe. Aber von Anfang an.
Regional verwurzelt und eng vernetzt
Fleischer-Dienst Braunschweig (FDBS) ist ein regional verwurzeltes Unternehmen, das seit Jahrzehnten Fleischereien, Restaurants und andere Gastronomiebetriebe, Einzelhändler und andere Partner mit hochwertigen Lebensmitteln versorgt. Dabei baut FDBS konsequent auf enge und vertrauensvolle Serviceleistung, immer an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. Auf diese Weise gelang es dem Unternehmen, sich über die Jahre einen erstklassigen Ruf in der Region zu erarbeiten.
Das machte es umso schmerzhafter, als die Geschäftsführung im vergangenen Jahr Insolvenzantrag stellen musste. Hintergrund der finanziellen Schieflage war die Konsumzurückhaltung in der Lebensmittelbranche in Deutschland sowie die steigenden Preise für Material und Energie – die „wirtschaftsapokalyptischen Reiter“ so vieler Unternehmen in Deutschland. Verschärft wurde die Lage durch weitere externe Faktoren, die kurzfristig zu einer eingeschränkten Liquidität führten, wie der Wegfall vereinbarter Zahlungsziele durch einen wichtigen Branchenpartner. Belastungen, die einzeln vielleicht hätten abgefangen werden können. In der Kombination aber entfalteten sie eine Wirkung, die eine Sanierung unumgänglich machte. Was also tun?
Direkte Investorenansprache nötig
Um die Zukunft der rund 100 Arbeitsplätze der FDBS zu sichern und auch die Geschäfte der eng mit der FDBS verbundenen Partner und Kundenunternehmen keiner unnötigen Belastung auszusetzen, musste schnell gehandelt werden. Aus diesem Grund begann Tobias Hartwig, der unter anderem den Braunschweiger Standort von Schultze & Braun leitet, noch in seiner Rolle als vorläufiger Insolvenzverwalter bereits rund zwei Wochen nach dem Insolvenzantrag gemeinsam mit der Unternehmensberatung Deloitte die aktive Investorenansprache.
Ziel war von Beginn an der Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze. Dabei war positiv zu verzeichnen, dass FDBS trotz der Belastungen, die zum wirtschaftlichen Ungleichgewicht führten, weiterhin operativ stabil war und auch die Kundenbeziehungen und das umfassende Lieferantennetz trotz der Krise intakt geblieben waren. Der laufende Betrieb war damit vorerst gesichert – ein essenzieller Faktor auch bei der Investorenansprache. „FDBS war als Großhändler erstklassiger Fleischerei- und Gastronomieprodukte fest in der regionalen Wirtschaftslandschaft verwurzelt und brachte ein entsprechend gutes Potenzial für die Weiterführung mit“, sagt Tobias Hartwig von Schultze & Braun. „Die Tatsache, dass wir bereits vor dem Start des Investorenprozesses solch ein großes Interesse an einer Übernahme hatten, zeigte, dass FDBS zu Recht ein hohes Ansehen und Vertrauen am Markt genießt. Das stimmte uns zuversichtlich für die weiteren Sanierungs- und Übernahmebestrebungen.“
Investorensuche mit langfristiger Perspektive
Die potenziellen Investoren wurden geprüft – auch auf das Potenzial für eine langfristige Wirtschaftlichkeit. „Wir wollten die Investorensuche selbstverständlich so schnell wie möglich abschließen“, so Tobias Hartwig. „Aber wir sind auch so gründlich wie nötig vorgegangen, um einen Unternehmer zu finden, der zu FDBS passt und an das Potenzial des Unternehmens glaubt.“ Das ist wichtig, schließlich ist ein Insolvenzverwalter den Gläubigern verpflichtet, eine optimale Lösung zur Befriedigung ihrer Forderungen sicherzustellen. Teil dessen kann aber auch sein, die weiteren zukünftigen wirtschaftlichen Partnerschaften sicherzustellen, von denen mitunter auch die Gläubiger profitieren. Oder anders gesagt: Was lohnt sich ein Verkauf an einen unpassenden Investor, wenn der viel zahlt, das Unternehmen aber in kürzester Zeit herunterwirtschaftet? „Die Gläubiger sind ja oftmals Partner und an einer langfristigen Zusammenarbeit weiter interessiert“, sagt Tobias Hartwig. „Wenn das Unternehmen nach der Übernahme untergeht, ist keinem geholfen.“
Ein überzeugender neuer Partner
Das überzeugendstes Angebot machte dann die GILDE Mitte – Nord GmbH, ein neugegründetes Tochterunternehmen der GILDE Mitte eG unter Geschäftsführer Ansgar Nachtwey, der mit FDBS bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatte. „Ich hatte FDBS auch schon in meiner Zeit als Vertriebler bei einem Zulieferer aus der Gewürz- und Additivbranche betreut“, sagt Ansgar Nachtwey. „Die haben immer den Kunden konsequent in den Mittelpunkt gestellt und waren 1000 Prozent für sie da.“
Ausschlaggebend war nicht nur die eigene Expertise und der gute Leumund – die GILDE Mitte eG ist genossenschaftlich organisiert und versorgt Fleischerfachgeschäfte, Gastronomie, Großküchen und andere Kunden seit über 100 Jahren erfolgreich als regional führender Fachgroßhandel – sondern auch, dass Ansgar Nachtwey und sein Team über das richtige Knowhow verfügten, um die notwendige Sanierung zu realisieren. „Wir wussten aus eigener Erfahrung ganz genau, was ein Unternehmen nach einer Insolvenz braucht. Wir haben schon einmal einen Betrieb aus der Insolvenz gekauft und saniert, nämlich die Leinekrone GmbH in Heiligenstadt. Das ist ein Schweine-Schlachthof. Deshalb war uns bewusst, was bei FDBS notwendig ist und wir konnten entsprechend planen.“
Planen für den Sanierungserfolg
Kern der Übernahme war, den Geschäftsbetrieb so schnell wie möglich wieder auf gesunde Füße zu stellen. „Möglich machte dies eine von Anfang an enge Zusammenarbeit zwischen allen Prozessbeteiligten sowie der konsequente Rückhalt durch Kunden und Lieferanten, sodass der Geschäftsbetrieb stabil und im vollen Umfang aufrechterhalten werden konnte“, sagt Insolvenzverwalter Tobias Hartwig. „Und natürlich wäre diese Lösung ohne den großen Einsatz der Mitarbeitenden und ihre Identifikation mit dem Unternehmen nicht möglich gewesen.“
Bereits als die ersten Gerüchte die Runde machten, dass es FDBS wirtschaftlich nicht gut ginge, traf Ansgar Nachtwey bereits Vorbereitungen. „Wir hatten im Jahr 2025 ein paar Mitarbeiter von FDBS übernommen, die aus eigenen Stücken gegangen sind. Die habe ich dann im Vertrieb eingesetzt, damit sie im Falle einer Übernahme direkt verfügbar sind“, sagt er. „Das ist dann auch so gekommen und sie konnten direkt loslegen, weil sie die Abläufe bei uns und bei der FDBS kannten. Dazu kam, dass ich in der Zeit vor der Übernahme mehrere Gespräche mit ehemaligen Vertrieblern der FDBS hatte, die sagten, sie würden gegebenenfalls zurückkommen. Insofern hatte ich auch direkt eine Vertriebsmannschaft, die wir dann auch eingesetzt haben. Und jetzt sind wir schon wieder auf einem richtig guten Weg.“
Exzellentes Ergebnis für alle Beteiligten
Ein guter Weg, ermöglicht durch einen guten Plan – und mit einem exzellenten Ergebnis für alle Beteiligten. „Einen besseren Einstieg in das Jahr hätte ich mir nicht wünschen können“, sagt Tobias Hartwig. „Die Gläubiger erhalten in Insolvenzverfahren im Durchschnitt lediglich eine Quote von rund fünf Prozent auf ihre Forderungen. Durch die nun erzielte Fortführungslösung dürfte die Quote im Verfahren von FDBS weit darüber liegen. Wir rechnen mit einer nahezu vollständigen Begleichung der Forderungen.“ Darüber hinaus konnten neben der weit überdurchschnittlichen Quote auch nahezu alle Arbeitsplätze gerettet werden.
Ansgar Nachtwey ist seinerseits sehr stolz auf das Vertrauen, das ihm und seinem Unternehmen mit der Übernahme zum 1. Februar 2026 ausgesprochen wurde. Dennoch, ein Selbstläufer war die Erfolgsgeschichte nicht: „Man muss an so ein Projekt zuversichtlich rangehen und sagen: Wir haben die richtigen Leute, wir haben genug Möglichkeiten und wir kriegen das hin“, sagt er. „Ohne diesen Optimismus und die Überzeugung funktioniert so eine Lösung nicht.“
Über FDBS Fleischer-Dienst Braunschweig eG:
Die FDBS Fleischer-Dienst Braunschweig eG ist ein regional verwurzeltes Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Braunschweig und einem Umsatz von über 30 Mio. Euro. Seit Jahrzehnten beliefert FDBS Fleischereien, Gastronomiebetriebe und Lebensmitteleinzelhändler mit einem umfassenden Sortiment und persönlichem Service. Rund 100 Mitarbeitende sorgen täglich dafür, dass Qualität, Frische und Zuverlässigkeit im Mittelpunkt stehen.
Über GILDE Mitte eG:
Die GILDE Mitte eG ist ein genossenschaftlich organisiertes, leistungsstarkes Unternehmen, welches seit über 100 Jahren erfolgreich als regional führender Fachgroßhandel für Fleischerfachgeschäfte, Gastronomie, Hotels, Großküchen und Mensen tätig ist. Es versorgt seine Kunden als Vollsortimenter mit allem, was sie für den erfolgreichen Betrieb ihres Gewerbes benötigen: Food- und Nonfood-Produkte, Bedarfsgegenstände, Ausrüstung, Werkzeuge, Maschinen und Geräte. Zudem bietet die GILDE Mitte eG einen umfangreichen Service in Logistik und Belieferung.