Erfolgsfaktor Sanierung: Eine wirklich museumsreife Leistung
Die SEIWO Technik GmbH ist bereits seit Jahrzehnten im Ausstellungs- und Bühnenbau eine feste Größe. Dass das Unternehmen aus dem Erzgebirge auch künftig als Spezialist für Ausstellungs- und Großexponatsprojekte am Markt aktiv sein kann, ist der engen und konsequent durchgehaltenen Zusammenarbeit von Insolvenzverwalter Dr. Dirk Herzig von Schultze & Braun und SEIWO-Geschäftsführer Dr. Jan Wabst, der gebotenen Beharrlichkeit bei der Akquise von neuen Aufträgen und Projekten und letztlich dem Investor aus den Niederlanden zu verdanken. Der 13. Teil unserer Serie „Erfolgsfaktor Sanierung“.
Inhaltsverzeichnis
1. Weitaus mehr als ein formaler Sanierungserfolg
2. Wirtschaftliche Herausforderung und operative Gradwanderung
3. Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen aufrechterhalten und zahlreiche Aufträge gewonnen
4. Gestiegene Kosten und Forderungsausfall machen Insolvenzantrag nötig
Weitaus mehr als ein formaler Sanierungserfolg
Die Sanierung eines projektgetriebenen Unternehmens mit vielen Auftraggebern aus dem öffentlichen Sektor mit gleichzeitigem Zweistandortbetrieb gehört zu den anspruchsvollsten Sanierungs-Szenarien – umso schöner ist am Ende der Sanierungserfolg von SEIWO, der pünktlich zum 24. Dezember 2025 gefeiert werden konnte!
Und Grund zum Feiern gab es in der Tat: „Wir konnten den Geschäftsbetrieb und die Auftragsakquise über einen Zeitraum von fast zwei Jahren fortführen – dank des Vertrauens und des Einsatzes von Auftraggebern, Gläubigern und Belegschaft, aber auch des niederländischen Investors Bruns, der weltweit für die Ausstattung zahlreicher Museen, Science Center und Brand Shops verantwortlich ist“, sagen Insolvenzverwalter Dr. Dirk Herzig und SEIWO-Geschäftsführer Dr. Jan Wabst. „Zusammengefasst steht SEIWO damit für weitaus mehr als einen formalen Sanierungserfolg: Es ist vielmehr ein Beleg für die Wirksamkeit eines eng abgestimmten Sanierungsvorgehens zwischen Insolvenzverwaltung und Geschäftsführung, das wirtschaftliche, organisatorische und kommunikative Herausforderungen integriert gesteuert und umgesetzt hat.“
Wirtschaftliche Herausforderung und operative Gradwanderung
Wenn ein Unternehmen mitten im Geschäftsbetrieb steckt, ist ein Insolvenzverfahren mehr als nur eine wirtschaftliche Herausforderung. Gerade bei einem komplexen und projektbasierten Alltagsgeschäft wie bei SEIWO ist es auch eine operative Gratwanderung. „Während unsere rund 40 Mitarbeitenden an den beiden Standorten Scharfenstein und Hohenstein-Ernstthal seit dem Insolvenzantrag im Januar 2023 Aufträge für Museen, Gedenkstätten und Unternehmen bearbeitet haben, sind wir drangeblieben und haben dafür gesorgt, dass Sanierung, Kommunikation und Investorenansprache nahtlos ineinandergreifen“, erläutern Herzig und Wabst. Eine enorme Herausforderung, die die beiden zusammen mit der Belegschaft trotz aller Widrigkeiten meisterten – und zwar als Team.
Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen aufrechterhalten und zahlreiche Aufträge gewonnen
Fakt ist: Die erfolgreiche Sanierung von SEIWO ist eine gute Nachricht für die Ausstellungs- und Museumsbranche im Erzgebirge, aber auch weit über seine und die Grenzen des Freistaats Sachsen hinaus. Der Geschäftsbetrieb an den beiden Standorten Scharfenstein und Hohenstein-Ernsthal wurde vom Beginn bis zur Aufhebung des Verfahrens knapp zwei Jahre später ohne Einschränkungen aufrechterhalten. Und mehr noch, trotz der wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderung konnten während der Sanierung mit der gebotenen Beharrlichkeit sogar zahlreiche Kundenaufträge neu gewonnen und erfolgreich realisiert werden – darunter unter anderem die neue Dauerausstellung für das Dokumentationszentrum Obersalzberg, Großexponate für das Haus zur Wildnis im Nationalpark Bayerischer Wald und im Erzgebirge die neuen Dauerausstellungen für die „KohleWelt“ in Oelsnitz und die Gedenkstätte Hoheneck in Stollberg, aber auch Aufträge und Projekte für das Stralsundmuseum, das Archäologische Haus am Petriplatz, das Niederrheinmuseum Wesel und das Dommuseum in Regensburg, um nur einige (Neu-)Auftraggeber zu nennen.
Dass die Gläubiger dann im Frühjahr 2025 einstimmig dem Insolvenzplan zugestimmt haben, mit dem der Einstieg von Bruns möglich wurde, ist daher nicht nur das Ergebnis einer soliden wirtschaftlichen Perspektive, sondern Beleg für die große Bedeutung der Beharrlichkeit von Herzig und Wabst, sowie Ausdruck eines außergewöhnlich gut geführten Fortführungsverfahrens, das durch die enge und vertrauensvolle Abstimmung zwischen Insolvenzverwalter und Geschäftsführung möglich wurde. Den Insolvenzplan hatten Herzig und Wabst ausgearbeitet und Ende Februar 2025 beim zuständigen Gericht eingereicht.
Gestiegene Kosten und Forderungsausfall machen Insolvenzantrag nötig
SEIWO selbst wurde im Jahr 1990 gegründet und erarbeitete sich danach den Ruf eines verlässlichen und professionellen Partners für die Innen- und Außenpräsentation im Museums- und Vitrinenbau, in der Werbetechnik sowie im Bühnen- und Kulissenbau. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten den Kunden mit modernster Technik und Erfahrung eine echte Rundumbetreuung auch höchsten Niveau – von der Planung über die Konzeptionierung und die Herstellung bis hin zu Lieferung und Montage. Es hätte so weitergehen können, wären da nicht die im Zuge von Corona- und Ukraine-Krise sehr stark gestiegenen Kosten für Personal, Material und Energie sowie die mangelhafte Zahlungsmoral eines Hauptkunden gewesen.
„Seit pandemiebedingt die Lieferketten einiger Zulieferprodukte gestört wurden, waren die Zukaufkosten für Holzwerkstoffe, Metalle, Kunststoffe sowie Dicht- und Klebstoffe permanent in erheblichen Umfang gestiegen“, sagt Geschäftsführer Wabst. Weil Bauverträge der öffentlichen Hand jedoch regelmäßig einer Preisbindung unterliegen, seien sogenannte Preisgleitklauseln, mit denen Kostensteigerungen im Projektverlauf aufgefangen werden könnten, im Vorhinein meist ausgeschlossen. „Ein Nachverhandeln aufgrund der besonderen Umstände ist bei einigen Kunden der öffentlichen Hand oftmals erfolglos oder mit derart großen Hürden versehen, dass kleine und mittelständische Unternehmen Probleme haben, derartige Preissteigerungen weiterzugeben.“ Hinzu kamen auf Seiten der öffentlichen Hand langwierige Freigabeprozesse bei Rechnungen und Zahlungen. Diese Gemengelage machte einen Insolvenzantrag für die SEIWO leider unumgänglich, der dann auch trotz grundsätzlich guter Auftragslage und erster eingeleiteter Sanierungsmaßnahmen Anfang 2023 gestellt wurde.
Klares Bekenntnis zur langfristigen Perspektive
Ziel war von Anfang an, eine langfristig stabile Zukunftsperspektive zu finden und einen Investor zum Einstieg zu bewegen, der das Potenzial von SEIWO erkennt und wirklich zum Unternehmen passt. Aus diesem Grund bekannte sich das Unternehmen während der Sanierung klar zu seinen beiden Standorten und kommunizierte auch die perspektivische Suche nach neuen Mitarbeitenden, um das Potenzial der vollen Auftragsbücher angemessen und mit der bekannt hohen Qualität ausschöpfen zu können. „Wir wollten das Unternehmen ganz klar stabilisieren und fortführen. Dabei sollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten bleiben, und das Unternehmen soll eine langfristige Perspektive erhalten“, so Dr. Herzig. „Umso mehr freut es mich, dass wir mit unserer Beharrlichkeit am Ende erfolgreich gewesen sind.“
Vertrauen macht den Weg zum Abschluss der Sanierung frei
Die Strategie und das Vertrauen auf das Potenzial von SEIWO, das beharrliche Dranbleiben im Alltagsgeschäft sowie die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Insolvenzverwalter und Geschäftsführung zahlte sich aus. So konnte SEIWO mit einem neuen Gesellschafter, der Bruns International B.V. aus dem niederländischen Bergeijk, nicht nur saniert werden, sondern seine Geschäftsaktivitäten auch auf eine neue Stufe heben. „Wir haben jetzt die Klarheit, die wir benötigen, um gemeinsam mit unserem niederländischen Partner die nächsten Schritte und die gemeinsame Marktansprache anzugehen“, sagt Geschäftsführer Dr. Wabst. „Es war ein sehr schönes Gefühl, unseren Mitarbeitenden diese gute Nachricht zu überbringen – und sie pünktlich zu Weihnachten 2025 darüber zu informieren, dass SEIWO die Insolvenz erfolgreich abgeschlossen hat.“
Über die SEIWO Technik GmbH: Der sächsische Hersteller SEIWO Technik GmbH, in der Branche und der Region als SEIWO bekannt, mit seinen Standorten in Scharfenstein und Hohenstein-Ernstthal ist seit Jahrzehnten als Marktführer im Ausstellungs- und Bühnenbau sowie in der Werbetechnik tätig. Zu den Kunden zählen eine ganze Reihe bedeutender deutscher Museen und Gedenkstätten aber auch private Unternehmen. SEIWO mit seinen inzwischen über 50 Mitarbeitenden ist spezialisiert auf das interdisziplinäre, gewerkeübergreifende Zusammenspiel von Metallbau, Tischlerei, Glaserei, Lackiererei und Medientechnik.