Restrukturierungsmaßnahmen für Unternehmen: Wege aus der Krise
Restrukturierungsmaßnahmen sind gezielte finanzielle, operative oder rechtliche Schritte, mit denen ein Unternehmen oder Teile davon neu aufgestellt oder in einer wirtschaftlichen Krise wieder handlungsfähig gemacht und eine Insolvenz vermieden wird. In letzterem Fall kann man sie auch als Sanierungsmaßnahmen für Unternehmen bezeichnen. Sie reichen von der Sicherung der Liquidität und der Senkung von Kosten über die Anpassung von Strukturen und Beteiligungen bis hin zu gesetzlichen Sanierungsinstrumenten. Das Ziel ist, ein Unternehmen stabil und zukunftsfähig aufzustellen, idealerweise außergerichtlich und ohne Insolvenzverfahren. Dazu gehört häufig auch der weitgehende Erhalt von Arbeitsplätzen.
Selten kommt eine Unternehmenskrise aus dem Nichts. Meist gibt es klare Anzeichen: rückläufige Aufträge, sinkende Margen, angespannte Liquidität oder Verzögerungen bei der Bezahlung von Steuern und (Sozial-)Abgaben. Werden diese Signale früh erkannt und konsequent gegengesteuert, lässt sich eine existenzielle Krise oft vermeiden oder abschwächen und die Krisen-Resilienz des Unternehmens deutlich stärken.
Schultze & Braun begleitet Unternehmen dabei mit mehr als 50 Jahren Erfahrung und einem interdisziplinären Team aus Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Restrukturierungsmaßnahmen?
- Wann sind Restrukturierungsmaßnahmen für Unternehmen sinnvoll?
- Welche Restrukturierungsmaßnahmen für Unternehmen gibt es?
- Was gehört in einen Restrukturierungsplan?
- Wie läuft eine Restrukturierung Schritt für Schritt ab?
- Restrukturierungsmaßnahmen ohne Insolvenz: Welche Wege gibt es?
- Wie kann ich ein Unternehmen gesellschaftsrechtlich restrukturieren?
- Wie tragen Distressed M&A und Gläubigerschutz zu einer Restrukturierung bei?
- Schultze & Braun: Ihre Begleitung bei Restrukturierungsmaßnahmen
- Kontakt und Downloads
Definition und Bestandteile
Was sind Restrukturierungsmaßnahmen?
Restrukturierungsmaßnahmen sind alle Schritte, mit denen ein Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage saniert und wieder auf eine tragfähige Grundlage gestellt wird. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen an, zum Beispiel an der Finanzierung, am operativen Geschäft, an der gesellschaftsrechtlichen Struktur oder an rechtlichen Rahmenbedingungen. In der Praxis werden meist verschiedene Maßnahmen miteinander kombiniert.
Welche Maßnahmen im Einzelfall greifen, hängt von der Ursache und dem Stadium der Krise ab. Die Gründe können in externen Einflüssen liegen, aber ebenso im operativen Geschäft, im Geschäftsmodell oder im direkten Umfeld des Unternehmens. Sind die Herausforderungen erst identifiziert, lässt sich ihnen wirksam begegnen, oft noch bevor eine existenzbedrohende Krise eintritt.
Wann sind Restrukturierungsmaßnahmen für Unternehmen sinnvoll?
Restrukturierungsmaßnahmen sind immer dann sinnvoll, wenn sich ein Unternehmen neu ausrichten möchte oder sich eine Unternehmenskrise abzeichnet oder bereits eingetreten ist. Typische Anlässe sind:
- anhaltende Umsatz- oder Ertragsrückgänge und sinkende Margen,
- Liquiditätsengpässe und Schwierigkeiten, laufende Verbindlichkeiten fristgerecht zu bedienen,
- drohende oder eingetretene Zahlungsunfähigkeit sowie Überschuldung,
- wegbrechende Absatzmärkte, Abwanderung von Kunden oder stark gestiegene Beschaffungs- und Energiekosten,
- Finanzierungsschwierigkeiten, etwa bei der Anschlussfinanzierung oder der Einhaltung von Kreditauflagen (Covenants).
Grundsätzlich gilt: Wer frühzeitig handelt, hat die meisten Optionen. Vor oder bei einer nur drohenden Zahlungsunfähigkeit ist der Gestaltungsspielraum am größten. Liegen bereits Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vor, sind gesetzliche Fristen und Pflichten zu beachten. Hier ist eine frühzeitige Prüfung besonders wichtig, auch mit Blick auf die Haftung von Geschäftsleitern.
Welche Restrukturierungsmaßnahmen für Unternehmen gibt es?
Finanzielle Restrukturierung
Die finanzielle Restrukturierung (auch Finanzrestrukturierung) setzt an der Kapital- und Finanzierungsstruktur an. Im Zentrum steht die Sicherung der Liquidität und eine nachhaltige Finanzierung des Unternehmens. Typische Maßnahmen reichen von Stundungen, Rangrücktritten und Forderungsverzichten über die Anpassung bestehender Finanzierungen und Sicherheiten bis hin zu Debt-Equity-Swaps sowie der Zuführung frischen Eigen- oder Fremdkapitals. Nähere Informationen zur finanziellen Restrukturierung finden Sie auf unserer Seite zum Bank- und Kapitalmarktrecht.
Operative Restrukturierung
Die operative Restrukturierung zielt auf die Wettbewerbs- und Ertragsfähigkeit des Kerngeschäfts. Dazu gehören die Senkung von Kosten, die Optimierung von Prozessen und Organisationsstrukturen, ein effizientes Forderungsmanagement, die Optimierung von Verträgen in Einkauf, Vertrieb und Projektgeschäft sowie Anpassungen der Personalstruktur. Die operative Restrukturierung beseitigt die leistungswirtschaftlichen Ursachen der Krise.
Was gehört in einen Restrukturierungsplan?
Kern jeder erfolgreichen Restrukturierung ist ein nachvollziehbarer und belastbarer Restrukturierungsplan. Denn Beteiligte, insbesondere Gläubiger, stimmen Maßnahmen leichter zu, wenn sie nachvollziehbar begründet sind und ihre Wirksamkeit hinreichend wahrscheinlich ist. Ein tragfähiger Plan beschreibt in der Regel:
- die wirtschaftliche Ausgangslage und die Ursachen der Krise,
- die geplanten finanziellen, operativen, gesellschaftsrechtlichen und rechtlichen Maßnahmen,
- die Behandlung der Gläubiger und die erwartete Wirkung der Maßnahmen,
- einen Zeit- und Umsetzungsplan sowie die Finanz- und Ergebnisplanung der nächsten Jahre.
In vielen Fällen wird der Plan durch ein Sanierungskonzept oder ein Sanierungsgutachten nach anerkannten Standards (z. B. IDW S6) untermauert. Es dokumentiert die Sanierungsfähigkeit und kann die Entscheidungsgrundlage für Banken, Investoren, Gesellschafter und weitere Beteiligte verbessern.
Ablauf und Möglichkeiten
Wie läuft eine Restrukturierung Schritt für Schritt ab?
Eine Restrukturierung folgt in der Regel einem strukturierten Ablauf. Er schafft Transparenz und stellt sicher, dass die Maßnahmen an den tatsächlichen Ursachen der Krise ansetzen.
Phase 1: Analyse und Krisendiagnose
Die finanzielle und operative Lage wird umfassend aufgenommen: Wo liegen die Ursachen, wie akut ist der Handlungsdruck, welche Fristen sind zu beachten? Eine belastbare Liquiditätsplanung bildet die Grundlage.
Phase 2: Sanierungskonzept und Gutachten
Auf Basis der Analyse entsteht ein Sanierungskonzept, das die Sanierungsfähigkeit bewertet. Bei Bedarf wird das Konzept durch ein Sanierungsgutachten gemäß IDW-S6 untermauert.
Phase 3: Restrukturierungsplan
Die konkreten Maßnahmen werden definiert, priorisiert und terminiert. Parallel beginnen die vertrauensbildenden Gespräche mit den wesentlichen Stakeholdern.
Phase 4: Umsetzung
Die Maßnahmen werden umgesetzt. Von der Liquiditätssicherung über operative und gesellschaftsrechtliche Anpassungen bis, falls nötig, zu rechtlichen Sanierungsinstrumenten. Verhandlungen mit Banken, Gläubigern und Investoren werden begleitet.
Phase 5: Monitoring und Stabilisierung
Der Fortschritt wird laufend kontrolliert und der Plan bei Bedarf angepasst, bis das Unternehmen nachhaltig stabilisiert ist.
Restrukturierungsmaßnahmen ohne Insolvenz: Welche Wege gibt es?
In vielen Fällen sollte zunächst geprüft werden, ob eine außergerichtliche Sanierung, also eine einvernehmliche Lösung mit den wesentlichen Beteiligten, oder ein Restrukturierungsverfahren nach dem StaRUG möglich ist.
Reichen außergerichtliche Maßnahmen oder ein StaRUG-Verfahren nicht aus, können auch insolvenzrechtliche Sanierungsinstrumente wie Eigenverwaltung oder Schutzschirmverfahren in Betracht kommen. Dabei handelt es sich um eine gerichtlich geschützte Unternehmenssanierung in eigener Regie.
Wie kann ich ein Unternehmen gesellschaftsrechtlich restrukturieren?
In vielen Fällen trägt die Anpassung der Unternehmensstruktur zur erfolgreichen Sanierung bei. Das Gesellschaftsrecht bietet dafür vielfältige Möglichkeiten: Unternehmensteile, die sich nicht mehr rentabel betreiben lassen, können ausgegliedert und verkauft werden. Auch internationale Beteiligungsstrukturen können an neue wirtschaftliche Anforderungen angepasst werden, etwa durch Umwandlungen, Verschmelzungen oder Liquidationen von Auslandsgesellschaften. Selbst Gesellschafterstreitigkeiten können gelöst werden. Entscheidend ist eine gute Planung bedarfsgerechter Zielstrukturen und die professionelle Umsetzung der notwendigen Vertragsänderungen.
Wie tragen Distressed M&A und Gläubigerschutz zu einer Restrukturierung bei?
Unternehmenskrisen können zugleich Transaktionsmöglichkeiten eröffnen, etwa durch Unternehmensverkäufe, Beteiligungserwerbe oder die Veräußerung von Randaktivitäten. In Unternehmensverkäufen aus der Insolvenz heraus greifen allerdings insolvenzrechtliche Sonderregelungen, die sich auf die Transaktion auswirken. Schultze & Braun kennt diese Besonderheiten aus zahlreichen Distressed-M&A-Transaktionen auf Verkäufer- und Käuferseite, aus Verhandlungen mit Insolvenzverwaltern, Banken, Mitarbeitenden, Lieferanten, Kunden und Gläubigern.
Gleichzeitig schützen wir Sie als Gläubiger bei einer drohenden oder eingetretenen Insolvenz Ihres Geschäftspartners vor Vermögensschäden. Vorsorge ist dabei entscheidend: Sie beginnt nicht erst mit der Insolvenz, sondern bereits bei einem vorausschauenden Forderungs- und Sicherheitenmanagement.
In geeigneten Fällen können Forderungen im Rahmen eines Debt-Equity-Swaps ganz oder teilweise in Gesellschaftsanteile umgewandelt werden.
Schultze & Braun: Ihre Begleitung bei Restrukturierungsmaßnahmen
Schultze & Braun begleitet Unternehmen in allen Phasen der Restrukturierung. Von der ersten Diagnose über den Restrukturierungsplan bis zur Umsetzung. Wir beraten Geschäftsleiter, Gesellschafter und Stakeholder, gestalten Maßnahmen rechtssicher und helfen zugleich, Haftungsrisiken zu vermeiden. Auf Wunsch übernehmen wir operative Verantwortung als Berater, als Chief Restructuring Officer (CRO) oder als Generalbevollmächtigte.
Unser Vorgehen im Überblick:
- Analyse & Konzept: betriebswirtschaftliche Analyse, Planrechnungen und Gutachten nach IDW-Standards, Steuerung eines Distressed-M&A-Prozesses.
- Restrukturierungsplan: Definition der passenden Maßnahmen und Abstimmung mit Banken und weiteren Gläubigern.
- Umsetzung & Begleitung: rechtssichere Gestaltung der Maßnahmen, Haftungsvermeidung
Mit Standorten in ganz Deutschland und Frankreich, mehr als 50 Jahren Restrukturierungserfahrung und einem interdisziplinären Team zählen wir zu den etablierten Anlaufstellen für Restrukturierung und Sanierung in Deutschland. Wir sind überzeugt: Jede Krise ist auch die Chance für eine echte Neuausrichtung. Je früher Sie handeln, desto größer der Spielraum. Sprechen Sie uns an.
Kontakt
Perspektiven neu ausrichten
Wir helfen Ihnen, Krisenursachen frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig mit den geeigneten Maßnahmen und nachhaltigen Lösungen, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind, gegenzusteuern. Nutzen auch Sie die Chance, mit uns erfolgreich durchzustarten.
Dr. Ludwig J. Weber, LL.M.
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Newsroom
Zum Newsletter anmelden
Sie möchten regelmäßig Informationen über interessante rechtliche und steuerliche Entwicklungen erhalten?
Die aktuellen Artikel
Klare Leitplanken für den Erfolg des Pre-Pack-Verfahrens
14. Juli 2026
Blog, Insolvenzrecht, Wirtschaftsrecht
Digitale Restrukturierung: Die beste Krise ist die, die nicht eintritt
24. März 2026
Blog, Insolvenzrecht, Restrukturierung und Sanierung, Wirtschaftsrecht