Regelinsolvenz: Ablauf, Insolvenzverwalter und Sanierung
Die Regelinsolvenz ist das klassische Insolvenzverfahren für Unternehmen nach der Insolvenzordnung. Sie gilt für Kapital- und Personengesellschaften wie die GmbH, die GmbH & Co. KG oder die AG, wenn diese zahlungsunfähig oder überschuldet sind oder sich in einer fortgeschrittenen wirtschaftlichen Krise befinden. Im Regelinsolvenzverfahren übernimmt ein vom Insolvenzgericht bestellter Insolvenzverwalter die Kontrolle über das Unternehmen. Ziel ist es, die Gläubiger gleichmäßig und bestmöglich zu befriedigen und, wann immer es wirtschaftlich sinnvoll ist, das Unternehmen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
Ein Insolvenzantrag bedeutet also nicht zwangsläufig das Ende eines Unternehmens. Auch die Regelinsolvenz stellt alle Möglichkeiten für eine Sanierung bereit, gerade wenn der Insolvenzantrag frühzeitig gestellt und professionell vorbereitet wird. Die Insolvenzverwalter von Schultze & Braun steuern Unternehmen jeder Größe durch das Verfahren, vom kleinen Start-up bis zum internationalen Konzern, und bringen dafür mehr als 50 Jahre Erfahrung in der Insolvenzverwaltung mit.
Hinweise
Informationen für Gläubiger
Bitte beachten Sie die folgenden Hinweise:
Die im Gläubiger-Informationssystem (GIS) veröffentlichten Daten müssen nicht immer dem aktuellsten Stand entsprechen, da die Aktualisierung der Daten aus arbeitsökonomischen Gründen nur sukzessive erfolgen kann. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Regelinsolvenz?
- Wann muss ein Insolvenzantrag gestellt werden?
- Wie läuft ein Regelinsolvenzverfahren ab?
- Was macht ein Insolvenzverwalter?
- Wie gelingt die Sanierung in der Regelinsolvenz?
- Regelinsolvenz, Eigenverwaltung oder Schutzschirmverfahren: Was ist der Unterschied?
- Das Verbraucherinsolvenzverfahren
- Wann ist eine Regelinsolvenz sinnvoll?
- Downloads
- Erklärfilme
- Kontakt
Definition und Ablauf
Was ist eine Regelinsolvenz?
Die Regelinsolvenz, auch „klassisches“ Insolvenzverfahren, Regelinsolvenzverfahren oder IN-Verfahren genannt, ist das Standardverfahren der Insolvenzordnung für Unternehmen. Anders als bei der Eigenverwaltung geht die Verfügungsbefugnis über das Vermögen des Unternehmens dabei auf einen Insolvenzverwalter über, der vom örtlich zuständigen Insolvenzgericht bestellt wird.
Für Krisensituationen bietet das deutsche Insolvenzrecht vielfältige Möglichkeiten, um die Herausforderungen zu meistern und einen nachhaltigen Neuanfang zu ermöglichen. Für größere Unternehmen kommen neben der Regelinsolvenz auch ein Schutzschirmverfahren oder eine Eigenverwaltung in Betracht. Unsere Untersuchung zur Nachhaltigkeit von Unternehmenssanierungen zeigt: Sowohl Regelinsolvenzverfahren als auch Eigenverwaltung und Schutzschirmverfahren stehen für erfolgreiche und nachhaltige Sanierungen.
Wann muss ein Insolvenzantrag gestellt werden?
Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist die Geschäftsführung – oder ein anderes vertretungsberechtigtes Organ – gesetzlich verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Das gilt insbesondere für die GmbH und andere haftungsbeschränkte Gesellschaften.
Der Insolvenzantrag wird beim Insolvenzgericht am Sitz des Unternehmens gestellt. Je früher und je besser vorbereitet er gestellt wird, desto mehr Handlungsspielraum bleibt für eine Sanierung. Schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit kann ein Unternehmen freiwillig einen Insolvenzantrag stellen und sich so frühzeitig Zugriff auf die Sanierungsinstrumente des Insolvenzrechts sichern. Vor einer Insolvenz lohnt sich zudem der Blick auf außergerichtliche Restrukturierungsmaßnahmen und eine Sanierung nach dem StaRUG.
Wie läuft ein Regelinsolvenzverfahren ab?
Ein Regelinsolvenzverfahren gliedert sich in das Insolvenzantragsverfahren und das eröffnete Insolvenzverfahren. Die wesentlichen Schritte im Überblick:
- Insolvenzantrag: Die Geschäftsführung, ein anderes vertretungsberechtigtes Organ oder ein Gläubiger stellt beim örtlich zuständigen Insolvenzgericht den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
- Insolvenzantragsverfahren (vorläufiges Insolvenzverfahren): Das Insolvenzgericht bestellt zunächst einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Er sichert die vorhandenen Werte, analysiert die Ursachen der Krise und prüft, ob der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden kann.
- Verfahrenseröffnung: Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens bestellt das Gericht den Insolvenzverwalter. Ab jetzt verwaltet er die Insolvenzmasse, also das Vermögen des Unternehmens.
- Forderungsanmeldung und Gläubigerversammlung: Die Gläubiger melden ihre Forderungen an. In der Gläubigerversammlung entscheiden sie über den weiteren Weg, etwa über die Fortführung, den Verkauf oder einen Insolvenzplan.
- Sanierung oder Verwertung: Der Insolvenzverwalter steuert und koordiniert die Umsetzung der Sanierung, zum Beispiel über einen Insolvenzplan oder den Verkauf des Unternehmens an einen Investor. Ist eine Sanierung nicht möglich, wird das Vermögen bestmöglich verwertet.
- Verteilung und Aufhebung: Die Erlöse werden nach den Regeln der Insolvenzordnung an die Gläubiger verteilt. Anschließend wird das Verfahren aufgehoben.
Unterschiede in den Verfahren
Was macht ein Insolvenzverwalter?
Der Insolvenzverwalter spielt bei einem Regelinsolvenzverfahren die entscheidende Rolle. Seine Aufgabe ist es, die vorhandenen Werte des insolventen Unternehmens für die Gläubiger zu sichern und zu verwerten und, wann immer es wirtschaftlich möglich und sinnvoll ist, das Unternehmen zu sanieren.
Die Insolvenzverwalter bei Schultze & Braun verstehen sich als echte Manager, die in ihrem Amt eine Vielzahl verschiedener Rollen einnehmen. Sie sind Strategen, Organisatoren, Unternehmenslenker und Controller in einer Person. Sie haben unterschiedlichste Unternehmen kennengelernt und verfügen über tiefe Einblicke und Kontakte in eine Vielzahl von Branchen.
Diese Vielfalt an Erfahrungen hilft unseren Insolvenzverwaltern dabei, direkt zu Beginn des Regelinsolvenzverfahrens die Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage zu identifizieren sowie schnell und genau zu analysieren.
- Welche Möglichkeiten bietet das Insolvenzrecht dem insolventen Unternehmen?
- Welche insolvenzrechtlichen Instrumente kann es nutzen, um den Krisenursachen zu begegnen?
- Welche Strategien und Maßnahmen können bereits im Insolvenzverfahren umgesetzt werden, um die Gründe für die Insolvenz anzugehen?
Auf Basis dieser Analyse wählen unsere Insolvenzverwalter zusammen mit der Unternehmensführung schon sehr früh die passenden Instrumente aus, planen Strategien und Maßnahmen und setzen diese gemeinsam mit dem Unternehmen um. Dabei geht es immer darum, die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten und zu stärken.
Wie gelingt die Sanierung in der Regelinsolvenz?
Regelinsolvenzverfahren zeichnen sich durch komplexe und teils gegenläufige Interessenlagen der Beteiligten aus. Unsere Insolvenzverwalter behalten auch in solchen Situationen den Überblick und die Ziele der Sanierung im Fokus. Vorrangiges Ziel ist die gleichmäßige und bestmögliche Befriedigung der Gläubiger. Wann immer wirtschaftlich sinnvoll, sollen aber auch das Unternehmen und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Um diese Ziele zu erreichen, übernehmen unsere Insolvenzverwalter unter anderem folgende Aufgaben:
- die Insolvenzursachen ermitteln,
- die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens prüfen [LINK zu Sanierungsgutachten],
- die Finanzplanung unter den Bedingungen der Regelinsolvenz neu aufstellen,
- Planrechnungen erstellen oder prüfen,
- einen Investorenprozess steuern [Link zu Unternehmenskauf], sofern ein Verkauf des Unternehmens sinnvoll erscheint,
- einen Insolvenzplan gemeinsam mit der Geschäftsführung ausgestalten und mit dem Insolvenzgericht und den Gläubigern abstimmen.
Für jede Regelinsolvenz stellen wir das passende Team aus Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Betriebswirten zusammen, das die Sanierung mit einem individuellen Sanierungskonzept angeht. Durch die Kombination unterschiedlicher Disziplinen findet der Insolvenzverwalter als Manager der Regelinsolvenz gemeinsam mit den Beteiligten Antworten auf die existenziellen Fragen, die des zu sanierenden Unternehmens ebenso wie die der Gläubiger. Arbeitsrechtliche Fragen wie Insolvenzgeld, Sozialplan oder Betriebsübergang begleitet unser Team für Sanierungsarbeitsrecht.
Wie ein Insolvenzplan im Einzelnen aufgebaut ist, zeigt unser Schema zum Insolvenzplanverfahren (PDF).
Regelinsolvenz, Eigenverwaltung oder Schutzschirmverfahren: Was ist der Unterschied?
Regelinsolvenz, Eigenverwaltung und Schutzschirmverfahren sind die drei Verfahrensarten bei Unternehmensinsolvenzen. Der wichtigste Unterschied liegt darin, wer das Unternehmen während des Verfahrens führt.
In der Regelinsolvenz übernimmt ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter die Verfügungsbefugnis über das Unternehmen. Er steuert das Verfahren und die Sanierung, in enger Abstimmung mit der Unternehmensführung.
In der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und saniert das Unternehmen in eigener Regie. Sie wird dabei von insolvenzrechtlichen Beratern [Link einfügen zur Eigenverwaltung] unterstützt. Die Eigenverwaltung wird dabei von einem Sachwalter überwacht. Wie diese Überwachung funktioniert, erläutern wir auf unserer Seite zur Sachwaltung.
Das Schutzschirmverfahren ist eine besondere Form der Eigenverwaltung. Es steht nur Unternehmen offen, die noch nicht zahlungsunfähig sind, und dient dazu, unter gerichtlichem Schutz einen Insolvenzplan vorzubereiten.
Welches Verfahren passt, hängt vom Zeitpunkt des Antrags, von der Sanierungsfähigkeit des Unternehmens und von der Vorbereitung ab.
Einen Überblick geben auch unsere Schemata zur Eigenverwaltung (PDF) und zum Schutzschirmverfahren (PDF).
Das Verbraucherinsolvenzverfahren
Neben den Verfahrensarten bei Unternehmensinsolvenzen, also Regelinsolvenz, Eigenverwaltung oder Schutzschirm, gibt es Insolvenzverfahren auch für Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler sowie für Verbraucher. Diese zielen vorrangig auf die Entschuldung der Person ab. In der Regel ist das nach drei bis fünf Jahren Verfahrensdauer der Fall, die genaue Dauer hängt aber jeweils vom Einzelfall und den gesetzlichen Voraussetzungen ab. Am Ende des Verfahrens kann der Verbraucher oder Unternehmer eine Restschuldbefreiung erhalten. Die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Verbindlichkeiten werden erlassen und er kann finanziell neu starten.
Voraussetzung dafür ist, dass der Schuldner gegenüber dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern keine Vermögenswerte verheimlicht und während des Verfahrens alles versucht hat, um seinen Gläubigern so viel wie möglich zurückzuzahlen. Schuldner müssen sämtlichen gesetzlichen Mitwirkungs- und Auskunftspflichten nachgekommen sein und vorhandene Erwerbsmöglichkeiten nutzen.
Wann ist eine Regelinsolvenz sinnvoll?
Eine Regelinsolvenz ist dann der richtige Weg, wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist und die Voraussetzungen für eine Eigenverwaltung oder ein Schutzschirmverfahren nicht vorliegen oder diese Verfahren nicht zielführend sind. Sie bietet dann einen geordneten Rahmen, in dem ein erfahrener Insolvenzverwalter Werte sichert, das Unternehmen stabilisiert und eine Sanierung vorantreibt.
Die Regelinsolvenz ist dabei kein Verfahren zweiter Klasse. Auch in ihr stehen alle Sanierungsinstrumente zur Verfügung, vom Insolvenzplan bis zum Verkauf an einen Investor. Kommt eine Fortführung nicht in Betracht, sorgt das Verfahren für eine geordnete Verwertung im Interesse der Gläubiger. Ist ein Unternehmen dagegen nicht insolvent und soll trotzdem vom Markt gehen, ist eine Liquidation die Alternative.
Unsere Erfahrung aus rund 50 Jahren Insolvenzverwaltung ist: Es gibt nicht die eine Regelinsolvenz. Jede Sanierung hat ihre eigenen Anforderungen und Herausforderungen. Wir sind dafür bereit.
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Ansprechpersonen bei Schultze & Braun
Holger Blümle
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht
Dipl.-Betriebswirt (BA)
Wirtschaftsmediator (IHK)
+49 (0)721 91957-0
Dr. Thomas Dithmar
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht
Fachanwalt für Steuerrecht
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Dr. Dietmar Haffa
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