Sachwaltung: Aufgaben und Rolle des Sachwalters
Ein Sachwalter ist eine unabhängige, vom Insolvenzgericht bestellte Person, die eine Unternehmenssanierung in Eigenverwaltung oder im Schutzschirmverfahren beaufsichtigt. Er überwacht die Geschäftsführung, prüft die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und stellt sicher, dass die Rechte der Gläubiger gewahrt bleiben. Vereinfacht dargestellt übernimmt der Sachwalter eine unabhängige Aufsichts-, Kontroll- und Vermittlungsfunktion.
Der wichtigste Unterschied zum Insolvenzverwalter: Der Sachwalter führt das Unternehmen nicht. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und saniert in eigener Regie, der Sachwalter beaufsichtigt und vermittelt. In der Regelinsolvenz übernimmt dagegen ein Insolvenzverwalter die Verfügungsbefugnis über das Unternehmen.
Schultze & Braun übernimmt die Rolle des vorläufigen und des endgültigen Sachwalters und bringt dafür rund 50 Jahre Erfahrung als Restrukturierer, Sanierer und Insolvenzverwalter mit.
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Die im Gläubiger-Informationssystem (GIS) veröffentlichten Daten müssen nicht immer dem aktuellsten Stand entsprechen, da die Aktualisierung der Daten aus arbeitsökonomischen Gründen nur sukzessive erfolgen kann. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Sachwalter?
- Wann wird ein Sachwalter eingesetzt?
- Wer bestellt den Sachwalter?
- Was macht ein Sachwalter?
- Was ist der Unterschied zwischen Sachwalter und Insolvenzverwalter?
- Wie läuft eine Sachwaltung ab?
- Wer übernimmt welche Rolle in der Eigenverwaltung?
- Was bedeutet die Sachwaltung für Gläubiger?
- Welche Rolle spielt der Sachwalter beim Insolvenzplan?
- Was kann Schultze & Braun im Bereich Sachwaltung für Sie tun?
- Erklärfilm
- Kontakt
Definition und Unterschiede
Was ist ein Sachwalter?
Bei einer Unternehmenssanierung in Eigenverwaltung oder in einem Schutzschirmverfahren gibt es keinen Insolvenzverwalter. Stattdessen bestellt das Gericht einen Sachwalter. Er ist ein wichtiger Vermittler zwischen dem Schuldnerunternehmen und dem Sanierungsberater auf der einen Seite sowie den Gläubigern des Unternehmens auf der anderen und spielt damit beim reibungslosen Ablauf einer Sanierung in eigener Regie eine entscheidende Rolle.
Seine Aufgabe ist es, als unabhängige Person das Verfahren zu beaufsichtigen, die Interessen der Verfahrensbeteiligten im Blick zu haben und miteinander in Einklang zu bringen.
Wann wird ein Sachwalter eingesetzt?
Ein Sachwalter wird immer dann eingesetzt, wenn ein Unternehmen seine Sanierung in eigener Regie durchführt, also in der Eigenverwaltung oder im Schutzschirmverfahren. In diesen Verfahren bleibt die Geschäftsführung im Amt, deshalb braucht es eine unabhängige Instanz, die das Verfahren beaufsichtigt und die Gläubigerinteressen sichert.
Bereits im Insolvenzantragsverfahren, also vor der Eröffnung, wird ein vorläufiger Sachwalter bestellt. Mit der Verfahrenseröffnung folgt die Bestellung des Sachwalters. In der Regelinsolvenz gibt es dagegen keinen Sachwalter, dort übernimmt ein Insolvenzverwalter.
Wer bestellt den Sachwalter?
Der Sachwalter wird vom Insolvenzgericht bestellt und kann vom Unternehmen vorgeschlagen werden. Diese Möglichkeit ist ein wesentlicher Vorteil der Sanierung in eigener Regie: Das Unternehmen kann frühzeitig auf einen erfahrenen Sachwalter zugehen, mit dem eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist. Die Entscheidung über die Bestellung trifft aber immer das Gericht, und der Sachwalter bleibt in seinem Amt unabhängig.
Was macht ein Sachwalter?
Ein Sachwalter beaufsichtigt die Sanierung, ohne die Geschäfte selbst zu führen.
Seine zentralen Aufgaben:
- Geschäftsführung überwachen: Er begleitet das Management und den CRO durch die gesamte Unternehmenssanierung und sorgt für die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorschriften, gerade auch in der wichtigen Phase der Betriebsfortführung.
- Wirtschaftliche Lage prüfen: Er prüft laufend die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.
- Gläubigerrechte sichern: Er stellt sicher, dass die Rechte der Gläubiger während der gesamten Unternehmenssanierung gewahrt werden und den Gläubigern kein Nachteil entsteht.
- Mit Gericht und Gläubigerausschuss abstimmen: Er stimmt sich in wichtigen Fragen mit dem Management und den Sanierungsberatern sowie dem Insolvenzgericht und dem Gläubigerausschuss ab.
- Zwischen den Interessen vermitteln: Er kennt die verschiedenen Interessenlagen und vermittelt bei Bedarf zwischen den Beteiligten.
- Meilensteine begleiten: Mit Blick auf das Sanierungsziel und die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger wirkt er bei wichtigen Meilensteinen des Verfahrens mit, zum Beispiel beim Erstellen eines Insolvenzplans oder bei der Suche nach Investoren.
Was ist der Unterschied zwischen Sachwalter und Insolvenzverwalter?
Sachwalter und Insolvenzverwalter werden beide vom Insolvenzgericht bestellt und sind beide der Gläubigergesamtheit verpflichtet. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wer das Unternehmen führt.
Mehr zu den Verfahren erfahren Sie auf unseren Seiten zur Eigenverwaltung, zum Schutzschirmverfahren und zur Regelinsolvenz.
Ablauf und Rollen
Wie läuft eine Sachwaltung ab?
Die Sachwaltung begleitet das gesamte Verfahren, von der Antragstellung bis zur Umsetzung der Sanierung:
- Antragstellung: Das Unternehmen beantragt beim Insolvenzgericht die Eigenverwaltung oder ein Schutzschirmverfahren und kann dabei einen Sachwalter vorschlagen.
- Bestellung des vorläufigen Sachwalters: Das Gericht bestellt für das Antragsverfahren einen vorläufigen Sachwalter.
- Verfahrenseröffnung und Bestellung des Sachwalters: Mit der Eröffnung des Verfahrens wird der Sachwalter bestellt.
- Überwachung der Betriebsfortführung: Der Sachwalter begleitet Management und CRO, prüft die wirtschaftliche Lage und achtet auf die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorschriften.
- Abstimmung mit Gericht und Gläubigerausschuss: Wichtige Fragen stimmt der Sachwalter laufend mit dem Insolvenzgericht, dem Gläubigerausschuss und den Beteiligten ab.
- Begleitung der Sanierung: Der Sachwalter unterstützt bei den Meilensteinen des Verfahrens, etwa beim Insolvenzplan oder bei einem Investorenprozess.
Wer übernimmt welche Rolle in der Eigenverwaltung?
In einer Sanierung in eigener Regie greifen mehrere Rollen ineinander:
- Geschäftsführung: bleibt im Amt, führt das Unternehmen weiter und verantwortet die Sanierung (hier Link einfügen zu: Restrukturierungsmaßnahmen].
- Chief Restructuring Officer (CRO): unterstützt die Geschäftsführung als insolvenzrechtlich erfahrener Sanierer, oft in verantwortlicher Position.
- Sachwalter: beaufsichtigt das Verfahren als unabhängige Person, prüft, überwacht und vermittelt.
- Insolvenzgericht: bestellt den Sachwalter und trifft die gerichtlichen Entscheidungen im Verfahren.
- Gläubiger und Gläubigerausschuss: vertreten die Interessen der Gläubigerseite und stimmen über das Sanierungsvorhaben ab.
Was bedeutet die Sachwaltung für Gläubiger?
Für Gläubiger ist der Sachwalter die unabhängige Instanz, die ihre Rechte im Verfahren sichert. Denn es kann vorkommen, dass die Interessen des Unternehmens und die der Gläubiger nicht oder nur zu einem geringeren Teil miteinander übereinstimmen. Eine erfolgreiche Unternehmenssanierung setzt sowohl die Zustimmung der Gläubiger als auch die aktive Mitwirkung des Schuldnerunternehmens voraus. Die Sachwaltung ist daher eine wichtige und vertrauensvolle Vermittler-Rolle zwischen allen Seiten im Sanierungsprozess.
Unsere Sachwalter gewährleisten als unabhängige Personen, dass den Gläubigern kein Nachteil entsteht. Über den Gläubigerausschuss sind die Gläubiger zudem unmittelbar in die wichtigen Entscheidungen des Verfahrens eingebunden.
Welche Rolle spielt der Sachwalter beim Insolvenzplan?
In einer Eigenverwaltung oder einem Schutzschirmverfahren ist der Insolvenzplan oftmals das Sanierungsinstrument der ersten Wahl. In einem solchen Fall müssen die Gläubiger mit Kopf- und Summenmehrheit dem Sanierungsvorhaben zustimmen. Es müssen daher sowohl mehr als 50 Prozent der Gläubiger innerhalb einer Gruppe dem Sanierungsplan grünes Licht geben. Zusätzlich müssen die zustimmenden Gläubiger mehr als die Hälfte der festgestellten Insolvenzforderungen repräsentieren.
Um ein solches Ergebnis zu erreichen, ist es für die Eigenverwaltung, aber auch für den Sachwalter wichtig, die verschiedenen Interessenlagen zu kennen und zwischen den Beteiligten bei Bedarf zu vermitteln, immer mit dem Ziel einer Lösung, der die Mehrheit der Gläubiger zustimmen kann.
Was kann Schultze & Braun im Bereich Sachwaltung für Sie tun?
Schultze & Braun steht Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage nicht nur als Insolvenzberater oder als Chief Restructuring Officer (CRO) bei der Eigenverwaltung oder im Schutzschirmverfahren zur Seite. Wir übernehmen auch die Rolle des beaufsichtigenden (vorläufigen) Sachwalters. In einem konkreten Verfahren nehmen wir dabei immer nur eine dieser Rollen ein, denn die Unabhängigkeit des Sachwalters ist Voraussetzung seines Amtes.
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