+++ACHTUNG BETRUGSVERSUCH! Gefälschte Angebote zum Kauf von Vermögenswerten aus Insolvenz- und StaRUG-Verfahren, die angeblich von Schultze & Braun verschickt worden sein sollen. Gehen Sie nicht auf diese Angebote ein und setzen Sie sich im Schadensfall mit der Polizei in Verbindung.  +++ACHTUNG BETRUGSVERSUCH! Gefälschte Angebote zum Kauf von Vermögenswerten aus Insolvenz- und StaRUG-Verfahren, die angeblich von Schultze & Braun verschickt worden sein sollen. Gehen Sie nicht auf diese Angebote ein und setzen Sie sich im Schadensfall mit der Polizei in Verbindung.

Brauereien in der Krise: Das halb volle Bier-Glas

17. April 2026 Blog Insolvenzrecht Restrukturierung und Sanierung Wirtschaftsrecht

Dr. Jürgen Erbe und Rüdiger Bauch von Schultze & Braun erläutern, warum gerade kleine und mittelgroße Brauereien wirtschaftlich unter Druck stehen und welche Möglichkeiten es gibt, damit für sie das finanzielle Glas trotz aller Herausforderungen halb voll und nicht halb leer ist.

Herr Erbe, Herr Bauch, Sie haben bereits mehrere Unternehmen aus der Brauwirtschaft in Krisensituationen begleitet. Wie schätzen Sie die Situation der Brauwirtschaft ein? 

Erbe: Die Liste der Herausforderungen für die Brauwirtschaft ist in der Tat lang: In Deutschland wird immer weniger Bier verkauft und getrunken. Gleichzeitig leidet die Brauwirtschaft unter hohen Produktionskosten und den Nachwehen der Corona-Pandemie. Gleichzeitig kann man aber auf jeden Fall sagen, dass die Brauwirtschaft mit ihren überwiegend handwerklichen und mittelständischen Unternehmen immer wieder in unterschiedlichen Krisen Resilienz bewiesen hat. Allerdings geht der Absatz der Brauereien in Deutschland seit 2014 kontinuierlich zurück. Aber nicht nur in Deutschland, auch im Ausland ist deutsches Bier nicht mehr so gefragt wie noch vor einigen Jahren.

Bauch: Wesentliche Gründe für den Rückgang beim Bierabsatz sind neben den steigenden Preisen – die Brauereien versuchen nachvollziehbarerweise ihre höheren Kosten bei der Herstellung an die Kunden weiterzugeben – auch der Trend zu einem gesünderen Lebensstil mit weniger Alkohol sowie der demographische Wandel. Viele Stammkunden – gerade für althergebrachte Sorten wie Pils oder Export – sind inzwischen in einem Alter, in dem sie kein Bier mehr trinken sollten oder wollen. Überkapazitäten führen daher bei einer gleichzeitigen Kostenexplosion und einem mitunter vorhandenen Investitionsstauin der Herstellung eben auch dazu, dass sich die wirtschaftlichen Schieflagen in der Branche häufen. Einen ähnlichen Trend sehen wir in der Weinwirtschaft.

Bei sinkendem Bierabsatz und hohen Herstellungskosten nehmen der Marktdruck und die Wettbewerbsintensität nochmals zu. Inwiefern sind kleine und mittelgroße Brauereien davon besonders betroffen?

Erbe: Aufgrund ihrer Marktposition bezeichne ich diese Brauereien als Sandwich-Brauereien: Sie sind nicht groß genug, um mit den großen, überregional oder bundesweit aktiven Brauereien mithalten zu können, deren Marken bundesweit in nahezu jedem Super- oder Getränkemarkt zu finden sind. Gleichzeitig stehen die kleinen und mittleren Brauereien im Wettbewerb mit den Hausbrauereien, die ihr Bier vor Ort ausschenken und gerade lokal einen festen Kundenstamm haben. Sie können im Wettbewerb mit den großen Brauereien die Werbepreise pro Kasten Bier schlicht nicht mitgehen und verlieren daher Marktanteile. Außerdem sind die kleinen und mittleren Brauereien gegenüber dem Handel nicht in der Position, Preiserhöhungen verhandeln zu können und haben beim Einkauf von Energie und Rohstoffen nicht die Größe, um am Markt günstigere Einkaufspreise für sich durchsetzen zu können. 

Bauch: Der kostenintensive Transformationsprozess für die Energienutzung wird die große Herausforderung für alle Brauereien bleiben. Ohne Investitionen in naher Zukunft geht es nicht – sei es in der Produktion, aber auch mit dem Blick auf neue Sorten, um neue Zielgruppen zu erschließen. Gleichzeitig ist aber bei vielen Brauer angesichts der inzwischen bereits Jahre andauernden Krise das finanzielle Glas eher halb leer als halb voll. Kräfte bündeln und Innovationen vorantreiben – das ist aber auf Dauer der einzige Zukunftsweg in diesem wettbewerbsintensiven Biermarkt.

Viele kleine und mittelgroße Brauereien stehen für regionale Identität und Tradition. Reichen diese Faktoren auf dem Markt heute allein nicht mehr aus? 

Erbe: Ab einer bestimmten Größe treten Brauereien aus dem Schutz ihrer regionalen oder durch die Tradition entstandenen Nische heraus und müssen sich dann im Vertrieb und bei den Preisen mit den großen Marktteilnehmern messen. Zudem haben sich zusätzlich zum Rückgang beim Bierkonsum pro Kopf auch die Trinkgewohnheiten geändert. So wird in gewissen Bereichen heute – sinnvollerweise – kein Bier mehr konsumiert. Früher war es zum Beispiel durchaus bei vielen Brauereien so, dass ein Teil des gebrauten Bieres in Flaschen und Kästen auf Baustellen verkauft wurde. Und wir sprechen hier nicht über alkoholfreies Bier – heute unvorstellbar. Was vor einige Jahrzehnten ebenfalls unvorstellbar war ist ein Rückgang bei der Markentreue. Gerade junge Menschen sind bei der Frage „Welches Bier soll es sein?“ flexibler geworden und Klassiker wie das Pils haben durchaus ein Imageproblem. Hinzu kommt, dass in Zeiten hoher Inflation auch Biertrinker stärker als bislang auf den Preis achten. So hart das ist: Allein mit Tradition und regionaler Identität können kleine und mittelgroße Brauereien heute im Markt nicht mehr bestehen.

Was sollten Brauereien tun, wenn die Rendite sinkt?

Bauch: Brauereien, die sich in einer Krise befinden oder absehbar auf eine zusteuern, sollten Krisenanzeichen möglichst früh wahrnehmen und eine Restrukturierung oder Sanierung besser frühzeitig und dann angehen, wenn sie noch Reserven haben. Denn eine notwendige Anpassung an veränderte Marktbedingungen ist immer mit Kosten verbunden – und dabei muss es sich nicht immer um eine Anpassung der Produktionskapazitäten oder der Belegschaft handeln. Auch die Einführung einer neuen Marke oder Biersorte ist sehr aufwändig und teuer. Derzeit setzen immer mehr Brauereien auf Trendbiere wie Helles oder eben das Alkoholfreie. Der Platz im Einkaufswagen der Biertrinker ist hart umkämpft, wie auch der Markteintritt in die Regale des Einzelhandels.

Kein Unternehmen stellt gerne einen Insolvenzantrag.

Erbe: Ein Insolvenzantrag bedeutet nicht automatisch das Ende eines Unternehmens. Vielmehr bietet das deutsche Sanierungsrecht verschiedene Instrumente und Verfahren, mit denen eine Brauerei eine finanzielle Krise meistern kann. Aber seit dem Jahreswechsel 2023/2024 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder in vollem Umfang. Vereinfacht dargestellt gilt: Kann ein Unternehmen seine fälligen Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen, liegt die Zahlungsunfähigkeit vor – bislang der mit Abstand häufigste Grund für Insolvenzanträge. Das sollten Verantwortliche in den Brauereien im Blick haben, auch um sich vor den Haftungsrisiken zu schützen.


Die Interviewpartner

Rüdiger Bauch

ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht bei der bundesweit vertretenen Kanzlei Schultze & Braun. Er wird in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen an verschiedenen Gerichten bestellt und hat bereits zahlreiche Unternehmen bei ihren Sanierungen begleitet – zuletzt auch eine Mikrobrauerei bei Dresden.

Dr. Jürgen Erbe, MBA

ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht bei Schultze & Braun. Er wird bundesweit an verschiedenen Gerichten bestellt und hat bereits zahlreiche Unternehmen in ihren Insolvenz-, Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren begleitet – als Insolvenzverwalter, Sachwalter und als CRO. Bei der Privatbrauerei Bischoff gab es im Sommer 2022 aufgrund der Vorgeschichte im Verfahren ohne Investoren keine Alternative dazu, den Geschäftsbetrieb der Brauerei einzustellen.