Prélèvement à la source oder: Die Reform der Lohnsteuer in Frankreich


Die französische Regierung modernisiert ihre Steuerverwaltung und hat dafür bereits vor drei Jahren ein Gesetz erlassen: das LOI n°2016-1917 vom 29. Dezember 2016. Es sieht unter anderem vor, dass vom 1. Januar 2019 an alle Arbeitgeber in Frankreich eine Lohnsteuer abführen müssen: den sogenannten „prélèvement à la source“ oder kurz „PAS“. Diese Lohnsteuer wird dem Arbeitnehmer in dessen Lohnabrechnung direkt vom Monatslohn abgezogen, genau wie in Deutschland. Den abgezogenen Betrag ziehen die französischen Finanzbehörden anschließend mit einer SEPA-Lastschrift monatlich oder vierteljährlich beim Arbeitgeber ein.

Haben die neuen gesetzlichen Vorgaben Auswirkungen auf die betriebliche Praxis in den Lohnabteilungen von Unternehmen, die Mitarbeiter mit Wohnsitz in Frankreich beschäftigen? Wir spielen das einmal anhand von drei weit verbreiteten Fällen durch.

Fall 1: Der Grenzgänger aus Frankreich nach Deutschland

Viele Unternehmen beschäftigen Grenzgänger aus Frankreich, ohne dass sie eine eigene Niederlassung in Frankreich haben. Meist ist das in grenznah angesiedelten Betrieben der Fall. Sie müssen die Lohnabrechnungen in Deutschland erstellen, und zwar nach deutschen Regeln. Daher müssen die Arbeitgeber keine Lohnsteuer (oder „prélèvement à la source“) in Frankreich abführen.

In diesem Fall wendet sich das französische Finanzamt selbst direkt an den Steuerpflichtigen und teilt ihm mit, in welcher Höhe bei ihm monatlich Steuern fällig werden. Dieser Betrag wird dem Steuerpflichtigen dann mit einer automatischen Lastschrift direkt aus dem persönlichen Bankkonto abgebucht. Dieses System funktioniert allerdings nur für Steuerpflichtige, die in Ländern arbeiten, mit denen Frankreich ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. Das sind aber insbesondere Deutschland, Belgien, Italien und acht Schweizer Kantone.

Fall 2: Mitarbeiter aus Frankreich, die die 45-Tage-Regel überschreiten

Dieser Fall betrifft Mitarbeiter aus Frankreich, die für deutsche Unternehmen arbeiten, ohne Grenzgänger zu sein. Das trifft auf alle diejenigen Mitarbeiter zu, die mehr als 45 Tage pro Jahr außerhalb des Grenzgebiets arbeiten. In diesen Fall ist die Lohnsteuer in Deutschland abzuführen. Daher haben die neuen Regelungen in Frankreich auf sie keinen Einfluss.

Fall 3: Unternehmen, die eine Tätigkeit oder eine Betriebstätte in Frankreich haben

Hat ein ausländisches Unternehmen eine Tätigkeit oder eine Betriebsstätte in Frankreich oder hat es Mitarbeiter, die in Frankreich für das Unternehmen tätig sind, müssen diese Unternehmen auf die Löhne Quellensteuer entrichten. Der Mitarbeiter muss zudem einen Beitrag in die französische Sozialversicherung entrichten. In diesem Fall empfehlen wir, dass der „prélèvement à la source“ zusammen mit den Sozialabgaben in der Lohnabrechnung ausgewiesen wird.

Jedes Unternehmen hat außerdem die Möglichkeit einen „représentant fiscal“ (fiskalischen Vertreter) in Frankreich zu benennen. Dieser Vertreter kann dann die Verwaltungsformalitäten um den „PAS“ herum für seinen Auftraggeber vorbereiten.

Fazit: Die Neuregelungen im französischen Gesetz haben, das haben wir gezeigt, für die Mehrheit der ausländischen Unternehmen, nämlich diejenigen, die Grenzgänger aus Frankreich beschäftigen, im Alltag kaum Auswirkungen. Die Kommunikation läuft grundsätzlich direkt zwischen den Mitarbeitern und dem Finanzamt, das für den Wohnsitz des Mitarbeiters zuständig ist.

Sehr vorsichtig sollten aber Unternehmen sein, die eine Betriebsstätte in Frankreich unterhalten oder für die Mitarbeiter in Frankreich tätig sind. Im Zweifelsfall ist zu empfehlen, sich von einer Kanzlei mit Spezialisierung in internationalem Steuerrecht beraten zu lassen.

Jérémy Reis
Expert-comptable (Steuerberater, zugelassen in Frankreich)
Master CCA (Master Comptabilité, Contrôle, Audit)


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