Gesellschafterfremdfinanzierung


Gesellschafterdarlehen sind im Vergleich zur klassischen Erhöhung des gezeichneten Kapitals flexibel und schnell umsetzbar. Die Darlehensverträge zwischen dem Gesellschafter und der Gesellschaft bedürfen keiner notariellen Beurkundung. Allerdings sollte zur steuerlichen Anerkennung des Darlehens der Vertrag immer im Vorhinein schriftlich geschlossen werden. Außerdem sollten die vertraglichen Vereinbarungen dem entsprechen, was auch ein fremder Dritter mit der Gesellschaft vereinbart hätte. Weiterhin ist wichtig, dass der Vertrag auch tatsächlich eingehalten wird.

Aufgrund der Finanzierungsfreiheit sind Darlehensvereinbarungen zwischen Gesellschafter und Kapitalgesellschaft grundsätzlich anzuerkennen und damit Fremdkapital der Gesellschaft. Es liegt nur dann ausnahmsweise Eigenkapital in Form einer verdeckten Einlage vor, wenn das Kapital dauerhaft im Unternehmen bleiben soll und eine Rückzahlung von vornherein nicht beabsichtigt war oder wenn der Gesellschafter eine Rückzahlung des Darlehens nur unter den Bedingungen wie bei der Einlagenrückgewähr verlangen kann.

Die Darlehensverbindlichkeit ist bei der Kapitalgesellschaft mit den Nennwert zu bewerten, sofern das Darlehen verzinst wird. Wird das Darlehen nicht verzinst und beträgt die Darlehenslaufzeit am Ende des Wirtschaftsjahres noch mehr als 12 Monate, ist die Verbindlichkeit steuerlich zwingend abzuzinsen. Für die Abzinsung kommt dabei ein gesetzlich vorgegebener Zinssatz in Höhe von 5,5 Prozent zur Anwendung. Die Differenz zwischen Nennwert und abgezinsten Betrag erhöht den steuerlichen Gewinn der Gesellschaft. Von daher sollte ein Zinssatz für das Gesellschafterdarlehen vereinbart werden.

Der Zinsaufwand führt bei der GmbH zu steuermindernden Betriebsausgaben, sofern keine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt (weil die Darlehen steuerlich nicht anerkannt sind, die Zinsen nicht marktgerecht sind, etc.). Er mindert die Körperschaftsteuer. Für die Gewerbesteuer gilt das ebenfalls, aber nur dann, wenn der Hinzurechnungsbetrag für Zinsen und andere Nutzungsentgelte nach § 8 Nr. 1 GewStG in Höhe von 100 000 Euro pro Jahr nicht überschritten wird.

Beim Gesellschafter werden die Zinseinnahmen grundsätzlich im Rahmen der 25-prozentigen Abgeltungssteuer versteuert: Er kann allerdings auch einen Antrag stellen, damit sein persönlicher Steuersatz in der Einkommensteuererklärung angewendet wird. Gehört die Darlehensforderung jedoch zu einem Betriebsvermögen oder beträgt die Beteiligung des Gesellschafters an der Gesellschaft zehn Prozent oder mehr, gilt immer der persönliche Steuersatz.

Bei Mehrheitsgesellschaftern erfolgt die Zinseinnahme steuerrechtlich betrachtet bereits zu dem Zeitpunkt, zu dem die Kapitalgesellschaft den Zinsaufwand bucht. Der tatsächliche Zufluss ist in diesen Fällen unerheblich.

Darlehensforderungen sind grundsätzlich zum Nennbetrag zu bewerten. Ist der Schuldner zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig, wird die Darlehensforderung zum Teilwert bewertet, wenn dieser niedriger als der Nennwert und voraussichtlich dauerhaft ist. In diesem Fall wird steuerlich eine sogenannte Teilwertabschreibung vorgenommen. Die Unverzinslichkeit einer Forderung rechtfertigt jedoch keine Teilwertabschreibung.

Bei einer Kapitalgesellschaft als Darlehensgeberin wirkt sich eine Teilwertabschreibung grundsätzlich in voller Höhe einkommensmindernd aus. Ausgenommen hiervon sind Gesellschafter die zu mehr als einem Viertel an der Darlehensnehmerin (ebenfalls eine Kapitalgesellschaft) beteiligt sind. In diesem Fall mindert die Teilwertabschreibung den steuerlichen Gewinn nicht.

Ist der Gesellschafter eine natürliche Person, ist zu unterscheiden, ob das Darlehen dem betrieblichen Bereich des Gesellschafters zugeordnet werden kann oder seiner privaten Vermögenssphäre.

Handelt es sich um eine betriebliche Darlehensforderung mindern Teilwertabschreibungen bei dem Gesellschafter steuerlich den Gewinn in voller Höhe, sofern der Gesellschafter nicht mehr als ein Viertel der Anteile hält. Hält der Gesellschafter mehr, mindert die Teilwertabschreibung nur zu 60 Prozent dessen steuerlichen Gewinn, sofern nicht besondere Ausnahmetatbestände erfüllt sind.

Bei privaten Darlehensforderungen wirkt sich ein Wertverlust des Gesellschafterdarlehens nach neuerer Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH Urteil vom 11.07.2017, IX R 36/15) steuerlich nicht mehr aus. Das gilt auch im Fall des Forderungsausfalls auf Grund einer Insolvenz der Gesellschaft bzw. des Forderungsverzichts durch den Gesellschafter. Ausgenommen hiervon ist der Verlust auf Grund des Ausfalls von Gesellschafterforderungen, die vor dem 27.09.2017 gewährt und nach alter Rechtslage als eigenkapitalersetzende Darlehen eingestuft wurden. In diesen Fällen stellt der Aufwand hieraus nach wie vor nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung dar.

Gerade die oben erwähnte neue Rechtsprechung des BFH wird Auswirkungen auf die Praxis der Gesellschafterfinanzierung von Kapitalgesellschaften haben. Gesellschafter werden künftig gut überlegen müssen, ob sie ihrer Kapitalgesellschaft ein Darlehen gewähren oder ob nicht eine Finanzierung durch Kapitalerhöhungen oder Zuführungen zu Kapitalrücklagen nicht doch steuerlich attraktiver ist. Die Erhöhung des Eigenkapitals von Kapitalgesellschaften führt nach wie vor zur Erhöhung der Anschaffungskosten für die Beteiligung, die sich später im Zeitpunkt der Anteilsveräußerung oder der Liquidation der Kapitalgesellschaft zumindest teilweise ergebnis- und steuermindernd auswirken können. Für diese Entscheidung sind dann alle Vor- und Nachteile für die Gewährung von Eigen- oder Fremdkapital an die eigene Kapitalgesellschaft gründlich abzuwägen.

Steuerberater Matthias Wolf, Dipl.-Kaufmann (FH)


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