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Investorenprozess bei der JD Norman Germany GmbH kommt zum Erliegen

Hörselberg-Hainich/Witzenhausen, 25. Juni 2020. „Für die JD Norman Germany GmbH konnte trotz einer breit angelegten Marktansprache von mehr als 550 nationalen und internationalen potentiellen Investoren kein Investor gefunden werden“, bestätigt Insolvenzverwalter Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun. „Die Corona-Pandemie hat den Transaktionsprozess zuletzt stark beeinflusst. Unsicherheiten und Bedarfsanpassungen durch die aktuelle Lage sowohl auf Investoren-, aber auch auf Kundenseite haben dazu geführt, dass dieser völlig zum Erliegen kam.“ Dabei war der Investorenprozess zunächst auf ein erhebliches Interesse gestoßen. Obwohl es keine leichte Ausgangssituation war, da es sich bereits um die zweite Insolvenz des Unternehmens handelt, kristallisierten sich in der Anfangsphase mehrere Interessenten heraus, mit denen der Insolvenzverwalter in die Verhandlungen ging. Die wesentlichen Hauptkunden waren in den Investorensprozess eng eingebunden. „Letztlich wurden die Vorstellungen der Interessenten und des Hauptkunden im Automotive-Bereich hinsichtlich garantierter Abnahmemengen und notwendiger Preiserhöhungen nicht in Einklang gebracht  ̶¬¬  auch vor dem Hintergrund der aktuellen volatilen Lage sowie dem generellen Strukturwandel und Konsolidierungsdruck der Automobil-Zulieferindustrie, zum Beispiel aufgrund neuer Antriebstechniken. „Wie schwierig der Prozess und die allgemeine Lage ist, zeigt ebenso der Umstand, dass mittlerweile auch ehemalige Interessenten den Weg eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens gehen mußten“, so Leichtle weiter.

Da der Geschäftsbetrieb der JD Norman Germany GmbH defizitär ist und das Unternehmen hohe Verluste erwirtschaftet, ist eine Fortführung ohne Investor und ohne erforderliche Investitionen in siebenstelliger Höhe nicht möglich. Dr. Leichtle gelang es dennoch, die ursprünglich bis zum 31.07.2020 geplante Fortführungsvereinbarung mit den Hauptkunden bis zum 30.09.2020 zu verlängern, eine weitere Verlängerung ist jedoch ausgeschlossen. „Vor diesem Hintergrund bleibt mir leider keine andere Wahl, als in Abstimmung mit dem Betriebsrat und dem Gläubigerausschuss den Geschäftsbetrieb in beiden Werken zum Ende September 2020 einzustellen und die entsprechenden Maßnahmen zum Personalabbau in die Wege zu leiten. „Ich bedauere diesen Schritt sehr, zumal sich die Mitarbeiter im gesamten Verfahren trotz aller Unsicherheiten enorm eingesetzt haben. So konnten sich die Kunden auf eine termingerechte und qualitativ hochwertige Leistung verlassen. Dafür habe ich den Mitarbeitern auch meinen Dank ausgesprochen. Die Mitarbeiter haben wir bereits im Rahmen von Betriebsversammlungen am heutigen Tag informiert“, so Dr. Leichtle. In ausführlichen Gesprächen mit dem Gesamtbetriebsrat einigten sich die Beteiligten auf einen Interessenausgleich sowie Sozialplan für die 450 Beschäftigten im Werk Eisenach in Hörselberg-Hainich und die rund 150 Beschäftigten im Werk Witzenhausen. „Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat waren anspruchsvoll, aber jederzeit fair. Man war sich einig, dass die Kündigungen unvermeidbar sind. Andererseits war es mir und dem Gesamtbetriebsrat wichtig, die sozialen Härten der Beschäftigten soweit wie möglich abzumildern“, berichtet Dr. Leichtle.

Alle bestehenden Aufträge werden nun bis Ende September ausproduziert und ausgeliefert. JD Norman entwickelt und produziert vor allem Fahrzeug- und Motorenteile, wie zum Beispiel Kurbel- und Ventilgehäuse, Zylinderköpfe, Rails oder Pleuelstangen. Die JD Norman Germany GmbH hatte den Betrieb durch Erwerb der maßgeblichen Assets aus der Insolvenz der REGE Motorenteile GmbH zum 01.01.2018 übernommen. Man hatte das Ziel, ein langfristig tragfähiges Konzept aufzubauen, die damals insolvenzbedingten Umsatzrückgänge auszugleichen und weitere umfangreiche Restruktu­rierungen voranzubringen. Das gelang jedoch nicht in ausreichendem Maße, so dass der Betrieb am 02.10.2019 erneut Insolvenz anmelden musste.

Bis die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch die JD Norman Germany GmbH trafen, war das Unternehmen sanierungsseitig auf einem guten Weg, wie Dr. Leichtle erläutert: „Wir hatten seit der Insolvenzanmeldung bereits zahlreiche Sanierungsmaßnahmen in die Wege geleitet, um den Betrieb wieder wettbewerbsfähig zu machen. Erste kleine Erfolge konnten wir dabei schon verbuchen, auch dank der sehr engagierten Belegschaft. Gemeinsam gelang es, die Produktivität zu steigern, Maschinenlaufzeiten zu verlängern, die Produktionsprozesse zu optimieren und auch sonst einige Abläufe effizienter zu gestalten.“ Dann kam der Corona-Virus und am 23. beziehungsweise 25.03.2020 mussten beide Standorte auf Kurzarbeit gehen, die Produktion stand für einige Wochen still, die Investorengespräche kamen faktisch zum Stillstand. Auch wenn die Produktion im Werk Eisenach in Hörselberg-Hainich am 06.04.2020 und in Witzenhausen am 14.04.2020 wieder anlief, wirkt die Corona-Krise bis heute nach. „Kunden passen ihre Bedarfsplanunung an, avisierte Abrufe kamen nicht oder in geringerem Umfang. Neuprojekte, die bereits vorinsolvenzlich angeschoben worden waren, wurden kundenseitig auf Eis gelegt. Der Ausgang des Investorenprozesses sollte abgewartet werden“, so der Insolvenzverwalter.

Kurzprofil Unternehmen
JD Norman ist führend in der Herstellung technisch hoch entwickelter Produkte und verfügt über Erfahrung in der Fertigung von Metallbauteilen für verschiedene Branchen. Das Unternehmen ist Zulieferer für einige der größten Automobilhersteller. Die JD Norman Germany GmbH wurde 2017 gegründet und übernahm zum Januar 2018 den Geschäftsbetrieb der insolventen REGE Motorenteile GmbH.


Pressekontakt:
ABG Marketing GmbH
Ilka Stiegler, stiegler@abg-partner.de, Telefon: 0351 43755 11
Dominik Schilling, schilling@abg-partner.de, Telefon: 0351 43755 207

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