Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge eines Kindes in Berufsausbildung bei den Eltern steuermindernd berücksichtigen?


Grundsätzlich haben Eltern die Möglichkeit, nicht unmittelbar selbst geschuldete Versicherungsbeiträge als eigene Sonderausgaben anzusetzen. Voraussetzung dafür ist, dass die Eltern dem Kind gegenüber unterhaltspflichtig sind. Der zivilrechtliche Unterhaltsanspruch umfasst den gesamten Lebensbedarf des Kindes. Eine angemessene Kranken- und Pflegeversicherung sind dabei eingeschlossen. Dabei ist es irrelevant, ob das Kind gesetzlich oder privat versichert ist. In letzterem Fall zahlt das Kind die Versicherungsbeiträge aus seiner Netto-Ausbildungsvergütung, im ersteren Fall zieht der Arbeitgeber die Kosten im Rahmen einer gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung vom Bruttogehalt des Kindes ab. Entscheidend ist, dass in beiden Situationen die Versicherungsbeiträge das Einkommen des Kindes verringern und seinen Lebensbedarf erhöhen.

Bisher war die Finanzverwaltung großzügig: Die Eltern konnten die Versicherungsbeiträge des Kindes in der eigenen Steuererklärung berücksichtigen, sofern sie Ihrer Unterhaltsverpflichtung im Rahmen des sogenannten Naturalunterhalts nachgekommen sind. Zum Naturalunterhalt gehören insbesondere Unterkunft, Verpflegung und Kleidung.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat jedoch in einem Urteil vom 13.03.2018 (Az.: X R 25/15) klargestellt, dass Unterhaltsverpflichtung und Naturalunterhalt alleine nicht ausreichen. Es muss vielmehr ein tatsächlicher Zahlungsmittelfluss im Veranlagungszeitraum zu Lasten der Eltern an das Kind erfolgen.

Im Streitfall absolvierte der Sohn eine Berufsausbildung und wohnte in dieser Zeit kostenfrei zu Hause bei seinen Eltern. Im Rahmen des Ausbildungsverhältnisses behielt der Arbeitgeber des Sohnes die entsprechenden Basisversicherungsbeiträge zurück und führte diese an den Sozialversicherungsträger ab. Der Sohn machte diese Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in seiner Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend, jedoch ohne Auswirkungen, da sein Einkommen zu gering war. Die Einkommensteuer des Sohnes wurde mit Null Euro festgesetzt, was jedoch auch ohne die Berücksichtigung der Sonderausgaben der Fall gewesen wäre. Infolgedessen forderten die Eltern, die Versicherungsbeiträge Ihres Sohnes als eigene Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung zu berücksichtigen. Zur Begründung führten sie an, dass sie ihrer Unterhaltsverpflichtung gegenüber ihres Sohnes in Form von Unterkunft und Verpflegung nachgekommen sind und somit indirekt die Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung getragen haben.

Sowohl das Finanzamt als auch das Finanzgericht lehnten das Ansinnen der Eltern ab und auch vor dem BFH bekamen sie nicht Recht. Zwar unterstrich das höchste deutsche Finanzgericht, dass die Eltern die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge Ihres Kindes ansetzen dürfen. Allerdings müssten sie dem Kind die Beiträge auch tatsächlich erstatten. Vom reinen Naturalunterhalt sei dies hingegen nicht gedeckt, entschied der BFH und wies die Revision der Kläger zurück.

Praxistipp
Sollten Sie die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge Ihres Kindes, das sich in Ausbildung befindet, in Ihrer eigenen Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen wollen, sollten Sie diese Beträge Ihrem Kind daher tatsächlich überweisen. Geben Sie bei der Überweisung als Verwendungszweck die Erstattung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. Bewahren Sie den Zahlungsnachweis auf, damit sie den Geldfluss gegenüber dem Finanzamt nachweisen können. Erstatten Sie die Beiträge deshalb auch keinesfalls in bar, da Ihnen sonst ein Nachweis der Zahlung fehlt.

Steuerberaterin Petra Köninger, Bachelor of Arts (B.A.)

 


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