Die neue Gutschein-Richtlinie - Umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen ab 2019


Gutscheine sind in vielen Branchen ein beliebtes Marketingmittel. Aus umsatzsteuerlicher Sicht ist die Behandlung von Gutscheinen mit Rechtsunsicherheit verbunden. Es ist beispielsweise zu klären wie ein Gutschein definiert wird, wann dessen Besteuerung erfolgt, wie die Bemessungsgrundlage berechnet wird und welche Folgen es hat, wenn dieser Gutschein nicht eingelöst wird.

Ein Gutschein ist nach der Definition der neuen Richtlinie „ein Instrument, bei dem die Verpflichtung besteht, es als Gegenleistung oder Teil einer solchen für eine Lieferung von Gegenständen oder eine Erbringung von Dienstleistungen anzunehmen und bei dem die zu liefernden Gegenstände oder zu erbringenden Dienstleistungen oder die Identität des möglichen Lieferers oder Dienstleistungserbringers entweder auf dem Instrument selbst oder in damit zusammenhängenden Unterlagen, einschließlich der Bedingungen für die Nutzung dieses Instruments, angegeben sind.“

Diese Definition grenzt bestimmte Gutscheinarten aus, wie z.B. einen Preiserstattungs- oder Preisnachlassgutschein. Auch bloße Zahlungsinstrumente im Sinne von „Guthabenkarten“ stellen keine solchen Gutscheine dar.

Die Abgrenzung zwischen „Gutscheinkarte“ und „Guthabenkarte“ kann in der Praxis schwierig werden. Vereinfachungshalber kann jedoch eine reine „Guthabenkarte“ im Sinne eines Zahlungsmittels angenommen werden, wenn diese jederzeit und voraussetzungslos wieder gegen den ursprünglich eingezahlten bzw. noch nicht verwendeten Geldbetrag zurückgetauscht werden kann.

Die Richtlinie unterscheidet im Hinblick auf die umsatzsteuerliche Behandlung zwischen sog. Einzweck-Gutscheinen und Mehrzweck-Gutscheinen.

Ein Einzweck-Gutschein ist ein Gutschein, bei dem der Ort der Lieferung der Gegenstände oder der Erbringung der Dienstleistungen, auf die sich der Gutschein bezieht, und die für diese Gegenstände oder Dienstleistungen geschuldete Umsatzsteuer zum Zeitpunkt der Ausstellung des Gutscheins feststehen.

Bei Einzweck-Gutscheinen erfolgt die Umsatzbesteuerung bei Ausgabe des Gutscheins. Denn zu diesem Zeitpunkt liegen bereits alle Informationen vor, die benötigt werden, um die umsatzsteuerliche Behandlung der zugrundeliegenden Umsätze zuverlässig zu bestimmen. Das Unternehmen muss bereits beim Verkauf des Einzweck-Gutscheins aus dem Gutscheinwert denjenigen Steuersatz herausrechnen, der für die im Gutschein bezeichnete Ware oder Dienstleistung gilt. Wird der Gutschein eingelöst, ist dann lediglich noch für einen gegebenenfalls fälligen Differenzbetrag Umsatzsteuer zu zahlen.

Ein Mehrzweck-Gutschein ist im Umkehrschluss ein Gutschein, bei dem es sich nicht um einen Einzweck-Gutschein handelt. Bei Mehrzweck-Gutscheinen löst nicht bereits der Verkauf des Gutscheins die Besteuerung aus, sondern erst dessen Einlösen, d. h. die tatsächliche Übergabe des Gegenstands oder das Erbringen der Dienstleistung. Erst zu diesem Zeitpunkt liegen alle Informationen vor, die für die umsatzsteuerliche Behandlung benötigt werden.

Für die Bemessungsgrundlage bei Mehrzweck-Gutscheinen ist entscheidend, welche Gegenleistung es bei der Ausgabe des Gutscheins gab. In der Regel handelt es sich dabei um das Entgelt, das für den Gutschein bezahlt wird.

Beispiel:
Ein Einzelhandelsgeschäft, das sowohl Waren mit 7 % als auch 19 % Umsatzsteuer verkauft, gibt als Werbemaßnahme Gutscheine im Wert von 50 EUR zum Sonderpreis von 40 EUR ab.

Ein Kunde kauft einen Gegenstand mit 19 % Umsatzsteuer (Ladenpreis 50 EUR) und bezahlt mit dem Gutschein über 50 EUR. Anhand der Gutscheinnummer wird festgestellt, dass dieser Mehrzweck-Gutschein für 40 EUR ausgegeben wurde. Die Umsatzsteuer ist daher aus dem Betrag von 40 EUR abzuführen und beträgt 6,39 EUR (19 % aus 40 EUR Bruttobetrag).

Fazit
Mit der Umsetzung der Gutschein-Richtlinie macht die EU einen ersten Schritt zu einer einheitlichen umsatzsteuerlichen Behandlung von Gutscheinen. Dennoch bleiben Fragen wie die umsatzsteuerliche Behandlung bei Nichteinlösung von Gutscheinen ungeklärt.

Das vom Bundesfinanzministerium angekündigte Einführungsschreiben, welches nähere Informationen zur Umsetzung der Richtlinie beinhalten soll, steht noch aus.

Unternehmen sollten aufgrund der Neuregelungen prüfen, ob sich ab dem 1. Januar 2019 eine abweichende umsatzsteuerliche Behandlung in Bezug auf das eigene Gutscheinportfolio ergibt. Müssen Unternehmen entsprechend der neuen Regelungen ihre Systeme und Prozesse anpassen, sollte dies rechtzeitig angegangen werden. Denn die Umstellung nimmt einige Zeit in Anspruch.

Steuerberaterin Petra Köninger, Bachelor of Arts (B.A.)


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Redaktion
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