- Rahmenbedingungen für Übernahme in Abstimmung mit der Zukunftsschmiede geschaffen – Alternative: Einstellung des Geschäftsbetriebs und Wegfall aller Arbeits- und Betreuungsplätze
- Rund 65 Mitarbeitenden muss gekündigt werden – Personalanpassung hauptsächlich im Bereich der Verwaltung
- Individuelle Lösungen für Kita-Standorte Ettlingen, Pforzheim, Burbach (Marxzell) und Bad Schönborn angestrebt – Abstimmung über Insolvenzpläne weiterhin für den Sommer angedacht
Karlsruhe. Das Fortführungskonzept für Pro-Liberis und Lenitas (PLL) steht. In Abstimmung mit der Geschäftsführung der Zukunftsschmiede haben Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle, die Insolvenzverwalter der beiden insolventen Betreibergesellschaften, die Rahmenbedingungen für die Übernahme und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit geschaffen. Durch das Fortführungskonzept sind rund 550 der bislang knapp 620 Arbeitsplätze und der überwiegende Teil der Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten und Einrichtungen der Jugendhilfe von PLL gesichert.
Die Betreuung läuft in allen Einrichtungen in vollem Umfang weiter
„Für die Mitarbeitenden, aber auch die Eltern und ihre Kinder ist das ein wichtiger Schritt: Die Gespräche, die wir in den vergangenen Wochen geführt haben, waren davon geprägt, dass alle ein gemeinsames Interesse haben: Das Betreuungsangebot von PLL so weit wie möglich zu erhalten. Dieses Ziel haben wir mit dem nun vereinbarten Fortführungskonzept erreicht! Dieses Ergebnis ist umso erfreulicher, wenn man sich vor Augen führt, dass die Alternative die Einstellung des Geschäftsbetriebs und der Wegfall aller Arbeits- und Betreuungsplätze gewesen wäre“, sagen Erbe und Blümle. Die Mitarbeitenden sowie die Eltern der betreuten Kinder wurden bereits über das Feststehen des Fortführungskonzepts informiert. Die Betreuung läuft in allen Einrichtungen in vollem Umfang weiter.
Personalanpassung in Abstimmung mit dem Betriebsrat
Rund 65 Mitarbeitenden muss jedoch gekündigt werden, damit das Fortführungskonzept umgesetzt werden kann. „Natürlich verliert niemand gerne seinen Arbeitsplatz. Wir haben die Entscheidung über die Personalanpassung daher erst nach reiflicher Überlegung und mit großem Augenmaß getroffen – und werden ihn in Abstimmung mit dem PLL-Betriebsrat so sozialverträglich wie möglich gestalten“, sagt Tamara Schwarz, Geschäftsführerin der Zukunftsschmiede, die mit Florian Löffel auch als kaufmännisches und operatives Führungsteam die Geschäftsführung von Pro-Liberis und Lenitas übernehmen wird.
Komplexe Strukturen und Doppelbesetzungen: Ein Grund für die wirtschaftliche Schieflage
Die wirtschaftliche Schieflage von PLL hatte ihren Grund auch in den teils komplexen Strukturen in der Verwaltung oder bei Doppelbesetzung – und war gerade im Verwaltungsbereich auch umfassender als es zunächst absehbar war. „Mit einer schlanken, zentralen Verwaltung mit klaren Verantwortlichkeiten und einer Stärkung der Kita-Leitungen mit mehr Eigenverantwortung schaffen wir die Basis für einen Neuanfang mit einem stabilisierten Betrieb. Davon profitieren am Ende alle“, sagt Schwarz.
Teil des Neuanfangs ist auch, dass für die Mitarbeitenden, aber auch die Eltern und Kinder der Standorte in Ettlingen, Pforzheim, Burbach (Marxzell) und Bad Schönborn zeitnah Klarheit geschaffen wird. Die Betreuung läuft auch in diesen Einrichtungen in vollem Umfang weiter. „Wir sind uns der Bedeutung einer sicheren und langfristigen Betreuung bewusst. Unser Ziel ist, die Kitas entweder selbst fortzuführen oder sie – wenn ein Betrieb für uns nicht möglich ist – geordnet auf einen anderen Träger zu übertragen Wir stehen dazu an allen Standorten in engem Austausch mit den Gemeinden“, sagt Florian Löffel. Konkret sieht das Fortführungskonzept folgendes vor:
- Ettlingen: Die Stadt Ettlingen hat signalisiert, die beiden Kitas künftig selbst übernehmen und unter eigener Trägerschaft weiterführen zu wollen. Die beiden Kitas, für die ein laufender Vertrag zwischen der Stadt und PLL besteht, werden bis zu einer endgültigen Entscheidung unter der bisherigen Trägerschaft mit Stabilität, Verlässlichkeit und gewohnter Qualität fortgeführt.
- Pforzheim: Die beiden Kitas, für die ein laufender Vertrag besteht, sollen geordnet auf einen anderen Träger übertragen werden. Bis dies möglich ist, werden die Kitas unter der bisherigen Trägerschaft mit Stabilität, Verlässlichkeit und gewohnter Qualität fortgeführt.
- Marxzell (Burbach): In der Kita, für die ein laufender Vertrag besteht, läuft der Betrieb in vollem Umfang weiter, bis in enger Abstimmung mit der Gemeinde eine Entscheidung getroffen werden kann. Geplant ist dies im Laufe des Sommers.
- Bad Schönborn: In der Kita, für die ein laufender Vertrag besteht, läuft der Betrieb in vollem Umfang weiter, bis in enger Abstimmung mit der Gemeinde eine Entscheidung getroffen werden kann.
Insolvenzverfahren könnten im Herbst abgeschlossen werden
Die Übernahme durch die Zukunftsschmiede soll rechtlich durch die Erstellung und Abstimmung zweier Insolvenzpläne umgesetzt werden, über die die Gläubiger weiterhin wie geplant noch im Sommer abstimmen werden. Ihre Zustimmung und die Bestätigung des Gerichts vorausgesetzt, könnte die Sanierung der beiden Betreibergesellschaften (Pro-Liberis und Lenitas) im Herbst 2026 formal abgeschlossen werden. Das Amtsgericht Karlsruhe hatte die Insolvenzverfahren der Pro-Liberis gGmbH und Lenitas gGmbH zum 1. April 2026 planmäßig eröffnet. Die Neuaufstellung beider Betreibergesellschaften war unter anderem durch die Wachstumsstrategie der Unternehmen und die Übernahme mehrerer Kindergärten von öffentlichen Trägern, auch auf Wunsch der jeweiligen Gemeinden, sowie durch die Preissteigerungen – unter anderem für Energie und Materialien – der letzten Jahre notwendig geworden.
Über die Zukunftsschmiede gGmbH: Die Zukunftsschmiede ist eine Betreibergesellschaft von Kindertagesstätten. Aktuell ist sie Trägerin der Kita Die Kleinen Giganten in Karlsruhe. Die Zukunftsschmiede wurde 2017 gegründet und legt die Schwerpunkte ihrer pädagogischen Arbeit auf die Persönlichkeits-, die Gesundheits- und Spracherziehung sowie auf die rhythmisch-musische Erziehung.
Über Pro-Liberis: Die Pro-Liberis gGmbH mit Sitz in Karlsruhe ist seit 2006 als Träger in der Kindertagesbetreuung in der Region aktiv. Heute betreibt Pro-Liberis zwanzig Kindertagesstätten. Insgesamt stehen 907 genehmigte Betreuungsplätze zur Verfügung, davon 440 Plätze für Kinder unter drei Jahren.
Über Lenitas: Die Lenitas gGmbH mit Sitz in Karlsruhe betreibt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung. In den Einrichtungen werden insgesamt 452 Kita-Plätze angeboten. Darüber hinaus hält Lenitas vielfältige Angebote im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe vor, unter anderem eine Jugendwohngemeinschaft, eine vollstationäre Wohngruppe sowie eine Familienwerkstatt.