Infobrief Steuerberatung
Ausgabe I/2018

I. Rechtsprechungsupdate zum häuslichen Arbeitszimmer

Nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes kann ein Steuerpflichtiger Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer (z. B. Abschreibungen, Schuldzinsen) nicht als Werbungskosten abziehen. Von diesem generellen Abzugsverbot gelten Ausnahmen. So gilt die Versagung der Abziehbarkeit von Aufwendungen nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. In diesem Falle, dürfen die Aufwendungen vollständig abgezogen werden. Auch in dem Falle, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, wird eine Abziehbarkeit zugelassen. Hier wird jedoch die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 € begrenzt.

Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 22. Februar 2017 (BFH, Urteil vom 22. Februar 2017 - III R 9/16) im Hinblick auf die Frage, ob einem Selbständigen ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht entschieden, dass bei einem Selbständigen nicht jeder Schreibtischarbeitsplatz in seinen Betriebsräumen zwangsläufig einen solchen zumutbaren „anderen Arbeitsplatz“ darstellt. Soweit die Nutzung des Arbeitsplatzes in einer Weise eingeschränkt ist, dass der Steuerpflichtige in seinem häuslichen Arbeitszimmer einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit verrichten muss, kommt das Abzugsverbot nach seinem Sinn und Zweck nicht zum Tragen. Auch der selbständig Tätige könne daher auf ein (zusätzliches) häusliches Arbeitszimmer angewiesen sein. Ob dies der Fall ist, muss anhand objektiver Umstände des Einzelfalls geklärt werde. Anhaltspunkte können sich sowohl aus der Beschaffenheit des Arbeitsplatzes (Größe, Lage, Ausstattung) als auch aus den Rahmenbedingungen seiner Nutzung (Umfang der Nutzungsmöglichkeit, Zugang zum Gebäude, zumutbare Möglichkeit der Einrichtung eines außerhäuslichen Arbeitszimmers) ergeben. Selbstständige können daher unter Umständen ein Arbeitszimmer zu Hause auch dann von der Steuer absetzen, wenn Ihnen ein Schreibtisch im Betrieb zur Verfügung steht.
 

In Fällen, in denen ein Arbeitszimmer

  • gemeinsam von mehreren Personen (z. B. Ehegatten, Lebensgefährten) genutzt wird,
  • nicht den Mittelpunkt der Tätigkeit darstellt,
  • kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht
  • und daher ein Höchstbetrag von 1.250 EUR berücksichtigt werden kann, gilt nach der jüngsten Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs, dass jeder Nutzende diejenigen Kosten steuerlich geltend machen kann, die er getragen hat (BFH, Urteile vom 15. Dezember 2016 – VI R 53/ 12 und VI R 86/ 13). Teilen sich also mehrere Personen ein häusliches Arbeitszimmer, kann künftig jeder von ihnen Aufwendungen bis zu der Höchstbetragsgrenze von 1.250 EUR einkünftemindernd geltend machen. Der Bundesfinanzhof gibt mit diesen Entscheidungen seine bisherige restriktive Rechtsprechung auf. Hiernach wurde der Höchstbetrag in Höhe von 1.250 EUR bezogen auf das Objekt, also nur einmal und unabhängig von der Zahl der Nutzer gewährt. Bei mehreren Nutzern wurde früher der Höchstbetrag entsprechend dem jeweiligen Anteil der Nutzung aufgeteilt. An dieser Auffassung hält der Bundesfinanzhof nun nicht mehr fest. Der Höchstbetrag ist personenbezogen zu verstehen und kann von jedem Steuerpflichtigen ausgeschöpft werden.

Darüber hinaus hat der Bundesfinanzhof klargestellt, dass, soweit Miteigentümer ein Arbeitszimmer gemeinsam zur Erzielung von Einkünften nutzen, jeder die seinem Anteil entsprechenden und von ihm getragenen Aufwendungen als Werbungskosten abziehen kann. Bei hälftigen Miteigentümern sind die Aufwendungen zur Hälfte als für die Rechnung des anderen Miteigentümers anzusehen. Jedem Miteigentümer steht jeweils der volle Höchstbetrag zu. Die Aufwendungen sind zeitanteilig zu kürzen, wenn der Steuerpflichtige erst während des Jahres eine Tätigkeit aufnimmt und dann ein häusliches Arbeitszimmer einrichtet oder während des Jahres - etwa wegen Eintritts in den Ruhestand - die Tätigkeit endgültig einstellt. Keine Kürzung ist hingegen vorzunehmen, wenn der Steuerpflichtige das Zimmer zeitweise nicht nutzt. Dies etwa während des Urlaubs, Krankheit, Wochenenden oder mangels Aufträgen. Maßgeblich ist allein, dass der Steuerpflichtige ein häusliches Arbeitszimmer vorhält.

Unabhängig von jeder Anerkennung von häuslichen Arbeitszimmern, sind die Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände des Arbeitszimmers wie z. B. Bücherschränke, Bürostühle, Schreibtische oder Schreibtischlampen zu sehen. Diese fallen nicht unter die Abzugsbeschränkung für häusliche Arbeitszimmer, da es sich um Arbeitsmittel handelt. Aufwendungen für Arbeitsmittel können daher auch dann als Werbungskosten abgezogen werden, wenn die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht berücksichtigungsfähig sind. Voraussetzung ist die ausschließliche oder nahezu ausschließliche berufliche Nutzung des Arbeitsmittels.


Download des Infobriefs

Den vollständigen Infobrief können Sie sich hier herunterladen:

Download PDF


Ihre Ansprechpartner