Same procedure as every year: Zuordnungsentscheidung treffen und Vorsteuerabzug für gemischt genutzte Gegenstände sichern!


Bezieht der Unternehmer von anderen Unternehmern Leistungen, kann er nur dann den Vorsteuerabzug aus den Anschaffungskosten geltend machen, wenn er die bezogene Leistung seinem Unternehmen zuordnet. Beim Erwerb von Gegenständen ergeben sich dabei – abhängig vom Umfang der Nutzung – verschiedene Zuordnungsmöglichkeiten.

1. Zuordnungsgebot
Wird der Gegenstand ausschließlich für unternehmerische Zwecke erworben (z.B. beim Kauf einer Produktionsmaschine), besteht ein gesetzliches Zuordnungsgebot. Der Gegenstand muss also zwingend dem Unternehmen zugeordnet werden. Der Vorsteuerabzug wird dafür in vollem Umfang gewährt.

2. Zuordnungsverbot
Wird der Gegenstand zu weniger als 10 Prozent unternehmerisch genutzt, so ist eine Zuordnung zum Unternehmen ausgeschlossen. Das hat zur Folge, dass auch der Vorsteuerabzug aus den Anschaffungskosten nicht möglich ist.

3. Zuordnungswahlrecht
Erwirbt der Unternehmer einen Gegenstand, den er sowohl unternehmerisch als auch für private Zwecke benutzt, so hat er in Bezug auf die Zuordnung ein dreifaches Wahlrecht. Voraussetzung dafür ist, dass er den Gegenstand zu mindestens 10 Prozent unternehmerisch nutzt. Der Unternehmer hat dabei folgende Optionen: Er kann den Gegenstand dem Unternehmen in vollem Umfang zuordnen. Er kann ihn teilweise, d.h. im Umfang der geplanten unternehmerischen Nutzung, zuordnen oder er kann den Gegenstand insgesamt nicht zuordnen.

Praktische Fälle gemischt genutzter Gegenstände, die unter das Zuordnungswahlrecht fallen sind bspw. der Firmenwagen des Unternehmers, den er privat mitbenutzt oder auch ein Gebäude, in dem der Unternehmer neben seiner Privatwohnung noch Büroräume für sein Unternehmen unterhält. In diesen Fällen kann der Unternehmer entscheiden, ob er die Gegenstände seinem Unternehmen voll, teilweise oder nicht zuordnet.
 


Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang ein Gegenstand dem Unternehmen zugeordnet wird, erfolgt regelmäßig, indem für ihn der Vorsteuerabzug in der Umsatzsteuervoranmeldung geltend gemacht wird. Dokumentieren muss der Unternehmer seine Zuordnungsentscheidung spätestens mit Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung für das betreffende Jahr. Für gemischt genutzte Gegenstände, die im Jahr 2018 erworben wurden, muss die Zuordnung bis zum 31. Juli 2019 erfolgen. Die Frist zur Dokumentation richtet sich nach der gesetzlichen Abgabefrist für Steuererklärungen. Die bislang geltende Frist zum 31. Mai des Folgejahres wurde für Veranlagungszeiträume von 2018 an um zwei Monate verlängert, sodass künftig der 31. Juli des Folgejahres für die Dokumentation der Zuordnung maßgebend ist.

Wichtig!
Verlängerungen der Frist zur Abgabe der Steuererklärungen gelten nicht für die Dokumentation der Zuordnungsentscheidung. Maßgebend ist stets der 31. Juli des Folgejahres. Dies gilt auch für Unternehmer, die einen Steuerberater mit der Erstellung ihrer Steuererklärungen beauftragt haben. Erfolgt die Dokumentation nicht fristgerecht, ist ein Vorsteuerabzug ausgeschlossen.

Ergibt sich der Umfang der Zuordnung nicht bereits daraus, in welcher Höhe der Vorsteuerabzug für diesen Gegenstand geltend gemacht wurde, muss der Unternehmer dem Finanzamt für die Zuordnung andere Nachweise vorlegen. Beim Kauf oder dem Bau von Gebäuden muss er die Zuordnungsentscheidung dem Finanzamt in einem gesonderten Schreiben mitteilen. Dies muss er ebenfalls bis zum 31. Juli des Folgejahres tun. Bei mehrjährigen Baumaßnahmen ist zu beachten, dass die Zuordnung laufender Zahlungen bereits ab Beginn der Baumaßnahmen jeweils bis zum 31. Juli des Folgejahres dokumentiert werden muss, auch wenn das Gebäude im Zahlungsjahr nicht fertiggestellt wird.

Hinweis
In der Praxis ist regelmäßig die volle Zuordnung zum Unternehmensvermögen zu empfehlen. Für den Fall, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt der Umfang der unternehmerischen Nutzung erhöht, bspw. bei gemischt genutzten Gebäuden, kann sich der Unternehmer im Wege der Vorsteuerkorrektur anteilig Vorsteuer vom Finanzamt erstatten lassen.

Steuerberaterin Birgitt Müller, Dipl.-Betriebswirtin (BA)


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